Investitionen
31.03.2017

Zeitenwende bei Erneuerbaren

Foto: istock.com / neilkendall
Raps für Biokraftstoffe sichert Bauern Einnahmen über viele Jahre.

Bei der Energiewende richtet sich die Aufmerksamkeit vor allem auf die Zahl neu installierter Windparks und Solarmodule. Doch wie aktuelle Daten zeigen, sind Biokraftstoffe und schon bestehende Anlagen für das wirtschaftliche Wachstum inzwischen wichtiger.

Umsätze mit dem Betrieb Erneuerbarer-Energien-Anlagen haben im vergangenen Jahr die Umsätze mit Neuanlagen erstmals deutlich übertroffen. Das zeigen bisher wenig beachtete Zahlen der Arbeitsgruppe Erneuerbare-Energien-Statistik. Insgesamt 15,4 Milliarden Euro flossen 2016 in die Wartung von Wind- und Solarparks sowie in Biobrennstoffe für den Betrieb von Biogasanlagen sowie grüne Kraftstoffe für den Verkehr. Gleichzeitig wurden nur noch 14,2 Milliarden Euro in Neuanlagen investiert.

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„Die Daten zeigen, dass nicht nur Investitionen für den Wirtschaftsstandort bedeutsam sind, sondern auch die Umsätze, die mit dem Betrieb von Anlagen erwirtschaftet werden“, sagt AG-Mitglied Frank Musiol vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg.

Damit ist ein jahrelanger Trend in der Erneuerbaren-Wirtschaft gestoppt. In der Zubauphase nach Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000 hatten die Investitionen in Neuanlagen den Markt für Ökoenergie unangefochten bestimmt. Innerhalb eines Jahrzehnts kletterten sie von 4,7 auf 27,9 Milliarden Euro. Im Schnitt waren die Investitionen mehr als doppelt so hoch wie die Umsätze aus dem Betrieb der bestehenden Anlagen. Besonders die Wind- und die Solarbranche dominierten mit ihren Meldungen zu den Zubauzahlen lange die politische Debatte.

Neue Bedeutung der Bioenergie

Der neue Umsatzrekord mit dem Betrieb von Erneuerbaren-Anlagen unterstreicht nun, dass der deutsche Markt reifer geworden ist. Außerdem verschiebt sich das Gewicht der volkswirtschaftlichen Impulse hin zur Bioenergie. Denn nach der Investition haben Solar- und Windparks nur noch geringe laufenden Kosten für die Wartung. Entsprechend machen diese beiden Energieformen nur ein Viertel der 15,4 Milliarden Euro aus den wirtschaftlichen Impulsen des Betriebs von Erneuerbaren-Anlagen aus.

Viel größer sind die Posten für Biomasse: 30 Prozent fließen in Biogasanlagen zur Stromerzeugung, 20 Prozent in Biomasse-Heizungen und 17 Prozent in grüne Kraftstoffe. Das zeigt ein in dieser Woche veröffentlichtes Papier des Umweltbundesamts.

Wärme und Verkehr sollen nächste Investitionswelle bringen

Schon 2015 hatten die Umsätze mit Bestandsanlagen diejenigen mit neuen erstmals übertroffen – allerdings um nicht einmal 0,3 Prozent. Im vergangenen Jahr erreichte der Abstand erstmals eine nennenswerte Größenordnung.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie, der sowohl die Wind- und Solarbranche als auch Biomasse-Betriebe vertritt, sieht die neuen Zahlen „sehr ambivalent“. „Die Entwicklung ist zum einen auf die enorme Kostendegression der erneuerbaren Energien zurückzuführen, wie die stark gesunkenen PV-Modulpreise zeigen. Zum anderen sind die Neuinstallationen bei PV und Biogas schlichtweg viel zu gering und reichen bei Weitem nicht aus, um unsere Klimaschutzziele zu erreichen“, sagt BEE-Präsident Fritz Brickwedde auf Anfrage von bizz energy. „Zudem spiegelt die Entwicklung den Stillstand bei der Wärmewende und im Verkehr wider.“

Von neuen klimafreundlichen Heizungen und Autos verspricht sich die Erneuerbaren-Branche in Deutschland also die nächste große Investitionswelle.

Manuel Berkel
Keywords:
Bioenergie | Solarenergie | Windenergie | Investitionen | Wärme | Verkehr | Biokraftstoffe | BEE
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Kommentare

Den Einsatz von Bioenergie halte ich nur für sinnvoll, wenn organische Abfälle verarbeitet werden.
Pflanzen anzubauen um daraus Energie zu gewinnen halte ich für ineffektiv.
Photovoltaik ist wesentlich effektiver als Photosynthese.
Beim Anbau von Pflanzen werden nur 1 - 2 Prozent der von der Sonne abgestrahlten Energie in vom Menschen nutzbare Energie umgewandelt.
Bei der Photosynthese sind es heute 20 Prozent. Im Labor werden schon Werte von über 30 Prozent erreicht.
Es ist somit sinnvoller auf Flächen statt Energiepflanzen anzubauen dort PV-Anlagen aufzu stellen.

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