Ökostrom
11.11.2016

Windenergie von der Hochhauskante

Foto: Flickr / berlinerstadtwerke
Die Windrail-Module in Berlin-Spandau ragen über die Kante eines Mietshauses.

Eine Pilotprojekt in Berlin macht Windstrom in Innenstädten möglich. Eine Schweizer Firma hat dafür eine Anlage entwickelt, die ohne die üblichen Masten auskommt. Ihr Windkanal ist keine drei Meter hoch.

 

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Es ist ein grundlegendes Dilemma der Energiewende: Der meiste Strom wird in Städten verbraucht, leistungsstarke Windkraftanlagen passen aber nur aufs Land. Selbst speziell entwickelte Kleinwindräder haben in den stark bebauten Citys ihre Probleme. Weht der Wind an Gebäuden vorbei, entstehen Wirbel, die den Ertrag schwer berechenbar machen. Ein neues Konzept der Zürcher Firma Anerdgy macht sich genau diese widerspenstigen Luftströmungen zunutze.

Die Aufwinde an Gebäuden werden an der Dachkante durch einen leicht geneigten Windkanal geleitet, wo sich Rotoren drehen. Der sogenannte Venturi-Kanal beschleunigt den Wind zusätzlich durch den Druckunterschied vor und hinter der zweieinhalb Meter langen Anlage. Auf der Vor- und Rückseite sind zusätzlich noch Solarmodule installiert. Der Luftstrom kühle die PV-Komponenten, was deren Ertrag erhöhe, heißt es bei Anerdgy.

 

18.000 Kilowattstunden Mieterstrom pro Jahr

Ihre erste Anlage mit dem Namen Windrail hat die Schweizer Firma diese Woche in Berlin in Betrieb genommen, auf einem Mietshaus der Wohnungsgesellschaft Gewobag im nordwestlichen Ortsteil Spandau. Den erzeugten Strom liefern die Stadtwerke Berlin in einem Mieterstrom-Modell an die Bewohner. „Mit der neuen Anlage stabilisieren wir auch die Betriebskosten für die Mieter, denn der Strom wird im Haus selbst auch für Licht, Fahrstühle und Lüftung genutzt“, sagte Jens Goldmund, Geschäftsführer der Gewobag-Energietochter.

Die zehn Module von Anerdgy haben eine Leistung von 10 Kilowatt (kW) aus den Windgeneratoren und 12 kW aus den Solarmodulen. Pro Jahr rechnen die Beteiligten mit 10.000 Kilowattstunden (kWh) Wind- und 8.000 kWh Solarenergie. Zusätzlich wurde noch eine reine PV-Anlage mit 88 kW installiert.

Die Kosten pro erzeugter Kilowattstunde wolle Anerdgy in den nächsten Jahren auf das Level von Solaranlagen bringen, sagte Firmengründer Sven Köhler auf Anfrage. Im kommenden Jahr will das 2012 gegründete Unternehmen auch eine Niederlassung in Deutschland eröffnen. Mit der Gewobag seien bereits weitere Projekte geplant, sagte Köhler.

Manuel Berkel
Keywords:
Windenergie | Kleinwindanlage | Mieterstrom | PV | Solarenergie | Wohnungswirtschaft
Ressorts:

Kommentare

Ist wahrscheinlich sehr gut durchdacht?! Aber was ist mit den Schwingungen und Motorengeräuschen für die im Haus wohnenden Mieter? Vibriert das Haus nicht ständig und bedarf ständiger Kontrollen? Hier werden die Einflüsse auf den menschlichen Organismus in den Vordergrund treten und es sollten gesundheitliche Schäden ausgeschlossen sein! Gruß, M.Goettert

Und so eine Anlage rechnet sich? Wie hoch sind denn wohl die Kosten pro installiertem KW?

hoffen wir mal die Anlage vibriert nicht zu stark, sonst viel Spass in dem Mietshaus.

Sieht nach eine Prototyp aus, lasst die doch erst mal testen und weiterentwickeln, bevor rumgenörgelt wird und die Wirtschaftlichkeit in Frage gestellt wird... Für mich sieht es nach einem vielversprechenden Ansatz aus, der eben noch etwas Feinschliff benötigt.

Ja, ja, da sind sie sofort wieder, die "Bundesbedenkenträger"
Möglicherweise ist das ein Test, möglicherweise ist das Produkt auch schon ausgereift und markttauglich. In letzterem Fall sehe ich darin eine große Chance, in urbanen Zentren unserer Großstädte auf diese Weise regenerative Energie in großem Stile zu erzeugen, zumindest was den Stromverbrauch in Haushalten angeht. Großer Vorteil, im Gegensatz zur Fotovoltaik weht Wind auch morgens früh und abends,genau dann also, wenn die Haushalte den Strom benötigen.

Was ist denn das für ein Bild?? Sind dort zu Gunsten der Windmühlen zwei Wohnungen mit Balkonen weggenommen worden?

Trotzdem sollte jede Möglichkeit ausgeschöpft werden Energie dezentral zu erzeugen.
Es wird viele Ideen, Forschungsanlagen und Prototypen geben müssen, bis wir die optimale Anlage, was Geräusche, Vibration, Wirtschaftlichkeit ... angeht gefunden haben.
Ich finde die Idee gut, den Wind und seine Turbulenzen innerhalb der Städte nutzen zu wollen.
Durch eine Projektarbeit, die ich durchgeführt habe, weiß ich, dass es innerhalb unserer Städte nicht ganz einfach ist, den Wind wirtschaftlich zu nutzen. Schön, wenn wir dazu kommen, die Physik nutzen zu können.
Die ganzen Gegendenker und Negativreder lasse ich dabei mal wirklich unberücksichtigt.
Ich hoffe, bald mehr von diesem und ähnlichen Projekten zu hören und zu lesen.

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