USA
28.09.2016

US-Wahl: Beide Vize-Kandidaten sind Oelfans

Foto: Wikipedia / Gage Skidmore / CC BY-SA 2.0
Mike Pence ist Gouverneur von Indiana und tritt als Vize-Kandidat von Donald Trump an.

In der nächsten TV-Debatte vor der US-Präsidentschaftswahl sind die Vize-Kandidaten Mike Pence und Tim Kaine am Zug: Ein Klimaleugner und einer, der sich beim Thema Energie zwischen den Fronten bewegt.

 

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Donald Trump reagierte barsch. „Das habe ich nicht gesagt“, widersprach er seiner Kontrahentin Hillary Clinton bei der jüngsten TV-Debatte.  Die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten hatte den Milliardär für seine Aussage angegriffen, der Klimawandel sei ein von den Chinesen erdachtes Märchen. Dabei ist jener Tweet von Trump aus dem Jahr 2012 auf Twitter immer noch nachzulesen. Trump vertritt vornehmlich die Interessen der Ölindustrie, das zeigt nicht zuletzt die Wahl seines Vize-Kandidaten im Rennen um das Weiße Haus: Mike Pence, Gouverneur von Indiana, wird sich im nächsten Fernsehduell am Dienstag wohl kaum für Strom aus Sonne oder Wind aussprechen. Im Gegenteil: Während Trump am Montag noch einmal betonte, dass er prinzipiell an alle Energiearten glaube, gilt Pence ganz klar als Leugner eines menschengemachten Klimawandels und Unterstützer der Kohleindustrie. 

Der 57-jährige Pence gehört zum ultrakonservativen Tea-Party-Flügel der Republikaner. Seitdem er im Januar 2013 zum Governeur von Indiana gewählt wurde, versuchte er immer wieder, Standards für erneuerbare Energie außer Kraft zu setzen. Der US-Organisation Inside Climate News zufolge erhielt Pence für seinen Wahlkampf rund 300 Millionen Dollar an Unterstützung von den Koch Brothers – die einflussreichen Milliardäre leiten das internationale Öl- und Chemieimperium Koch Industries.

 

"Klimaschutz ist ein Krieg gegen Kohle"

Pence gelang es, Indianas Energieeffizienz-Programm totlaufen zu lassen. Klimaschutz ist für ihn vor allem ein „Krieg gegen Kohle“ und daher in seinem Bundesstaat nicht erwünscht. Indiana ist einer von 16 US-Bundesstaaten ohne einen „Climate Action Plan“ – obwohl dort nach Einschätzung der Obama-Administration erhöhte Temperaturen, extreme Regenfälle und Überschwemmungen drohen. 2015 schrieb eine Gruppe von Wissenschaftlern einen offenen Brief an Pence mit der Aufforderung, endlich in Bezug auf den Klimawandel aktiv zu werden. Laut Gabriel Filippelli, Professor für Geowissenschaften in Indiana, stieß der Brief „auf absolut taube Ohren“.

Kein Wunder: Bereits zuvor, in seiner Zeit im US-Repräsentantenhaus, hatte Pence gegen die Finanzierung von Bildungsprogrammen zur Klimaerwärmung gestimmt und gegen die Regulierung von Treibhausgasen durch die US-Umweltschutzbehörde. Auf der anderen Seite unterstützte der Republikaner mehrere Gesetzesentwürfe zur Förderung fossiler Brennstoffe, unter anderem auch Ölbohrungen im Meer. Entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnisse behauptete er 2009 in einem TV-Interview: „In den Mainstream-Medien wird die wachsende Skepsis an der globalen Erderwärmung geleugnet.“ 2014 legte Pence in einem weiteren Interview noch einen drauf: „Wir haben zuletzt nicht viel Erwärmung erlebt. Ich erinnere mich noch an die 70er-Jahre, da haben wir über eine bevorstehende Eiszeit geredet.“

 

Umweltorganisationen appellieren an Clinton

Mike Pence' Kontrahent in der kommenden TV-Debatte ist der Demokrat Tim Kaine, Clintons Vizekandidat und Senator im Bundesstaat Virginia – und sicher kein Gegner von fossiler Energie. Kaine sprach sich zwar einerseits gegen die Keystone-Pipeline aus, unterstützte Obamas Clean Power Plan und sorgte als Gouverneur dafür, dass sich Küstengebiete auf den Klimawandel und den Anstieg der Meeresspiegel vorbereiten. Andererseits befürwortete Kaine – im Gegensatz zu Hillary Clinton – Ölbohrungen im Atlantik und unterstütze einen Gesetzesentwurf zur Beschleunigung von Erdgas-Exporten. Dies wurde von der Öl- und Gasindustrie wohlwollend aufgenommen, der Chef einer Ölfirma aus Virginia nannte Kaines Position „vernünftig“.

Umweltschützer und Anhänger des ausgeschiedenen, demokratischen Präsidentschaftskandidaten und Fracking-Gegners Bernie Sanders machen sich dagegen Sorgen. Sie fürchten, dass Clintons energiepolitischer Kurs – vornehmlich gegen fossile und für erneuerbare Energie – durch Vizekandidat Kaine aufgeweicht wird: „Fällt die Wahl auf Kaine, wird Clinton ihre Positionen zu Ölbohrungen, Fracking und neuer Infrastruktur für fossile Treibstoffe viel klarer abstecken müssen“, sagte Jason Kowalski von der Umweltschutzorganisation 350.org vor Clintons Entscheidung.

Jutta Maier
Keywords:
Hillary Clinton | Mike Pence | Tim Kaine | Donald Trump | USA | US-Wahlen | Erdöl | Erdgas | Fracking
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