Interview
02.02.2017

"Trump ist unberechenbar"

Foto: IASS
Professor Mark Lawrence forscht seit 2011 am IASS in Potsdam.

Mark Lawrence, geschäftsführender wissenschaftlicher Direktor am Potsdamer Institute for Sustainability Studies, über Donald Trump, die Angst der US-Klimaforscher und das Paris-Abkommen. 

bizz energy: Wie steht Donald Trump wirklich zum Klimawandel?

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Mark Lawrence: Da muss man differenzieren. Persönlich nimmt der neue US-Präsident  den Klimawandel offenbar durchaus ernst. Er hat  seinen Golfplatz an der irischen Küste mit einem Schutzdeich gegen Sturmfluten und den steigenden Meeresspiegel sichern lassen.  Aber politisch richtet sich Trump eher nach der großen Mehrheit in seiner republikanischen Partei, die nicht an Klimawandel glauben.
 
Sind die Republikaner eine Partei der Klimaleugner?

Meinungsumfragen in den USA haben gezeigt: Beim Thema Klimawandel hängen die Antworten nicht etwa von Religion, Ethnie oder sozialer Herkunft ab – sondern fast ausschließlich von der parteipolitischen Präferenz. Die überwältigende Mehrheit der Demokraten glauben an den menschgemachten Klimawandel, die Republikaner eher nicht. Dabei sind etwa die Hälfte der Republikaner Leugner des Klimawandels; die andere Hälfte sind Klimaskeptiker, die zwar eine Erderwärmung für möglich halten, aber diese nicht auf vom Menschen verursachte Treibhausgasemissionen zurückführen. Nur sehr wenige Republikaner glauben an den menschengemachten Klimawandel – obwohl  Wissenschaftler sicher sind, dass es ihn gibt.
 
Welche Folgen hat das für praktische Klimapolitik?

Die Trump-Regierung wird wahrscheinlich kein Geld für Klimaschutz und eine nachhaltige Energiewende ausgeben und auch keine staatlichen Bürgschaften für entsprechende Projekte übernehmen. Es sei denn, es wird aufgezeigt, dass konkrete Klimaschutzprojekte wirtschaftlich profitabel sind. Das könnte den Businessmann Trump überzeugen.
 
Haben US-Klimaforscher Angst vor Trump?

Sie machen sich große Sorgen. Viele Forscher erinnern sich an die Zeit um 2007, als der Weltklimarat IPCC seinen vierten Sachstandsbericht zur Globalen Erwärmung veröffentlicht hatte. Viele prominente US-Forscher bekamen damals von Washington aus einen Maulkorb verpasst. Interviews durften sie nur in Ausnahmefällen geben und auch nur, wenn ein Beisitzer als Aufpasser dabei war. Aussagen zum Klimawandel wurden häufig zensiert. Das hatte der republikanische Präsident George W. Bush veranlasst. Unter Trump könnte es jetzt noch härter kommen.
 
Inwiefern?

Einige US-Forscher wie der renommierte Atmosphärenwissenschaftler Michael Mann von der Pennsylvania State University erwarten eine Art Hexenjagd. Die Klimaforschung und die daran beteiligten Wissenschaftler, so die Befürchtung, könnten verteufelt und verfolgt werden – ähnlich wie einst Anhänger des Kommunismus,vermutete wie tatsächliche – während der McCarthy-Ära in den 1950er Jahren zum Feind der Regierung erklärt wurden.
 
Sind diese Ängste und der Vergleich mit der McCarthy-Ära nicht reichlich übertrieben?

Das ist schwer zu sagen. Trump ist unberechenbar. Aber sein Übergangs-Team hat im Energieministerium Listen erstellt über Staatsbedienstete, die Klimakonferenzen besucht haben. Das ist kein gutes Omen.
 
Was bedeutet Trump für das Pariser Klimaabkommen?

Aus seiner Sicht muss Trump die in Paris gemachten Versprechen der Obama-Regierung nicht einlösen. Es ist daher realistisch, dass die USA ihre Emissionen in den kommenden Jahren nicht senken, sondern erhöhen werden. Dennoch: Als Amerikaner mit optimistischer Grundeinstellung werde ich persönlich nicht resignieren. Das Pariser Abkommen ist robust gestrickt und der jüngste Weltklimagipfel in Marrakesch hat Hoffnung gestiftet. Dort war die Bereitschaft anderer Staaten wie China und Indien zu spüren, den Ausfall der USA zu kompensieren, indem die eigenen Klimaziele noch ambitionierter werden.
 
Welche Konsequenzen erwarten Sie?

Diese Konstellation dürfte den Einfluss der Schwellenländer wie China und Indien verstärken – nicht nur beim Klimaschutz, sondern dadurch auch in anderen internationalen Verhandlungen zu ganz anderen Themen. Am Ende werden es die Vereinigten Staaten eher bereuen, wenn sie unter Trump beim Klimaschutz außen vor bleiben – zumal Extremwetterereignisse wie Hurrikans, Dürren und Überflutungen die USA weiter heimsuchen werden, und zwar – als Folge des Klimawandels – in einer immer schlimmer werdenden  Weise.

Das Interview ist in der aktuellen Ausgabe von bizz energy erschienen. Das Februar-Heft erhalten Sie bei unserem Aboservice unter bizzenergy@pressup.de.

Interview: Joachim Müller-Soares
Keywords:
Donald Trump | IASS | Mark Lawrence | Klimawandel | Klimapolitik | USA | Paris-Abkommen
Ressorts:
Governance | Community

Kommentare

Was immer auch Präs. Trump an Wissen zum Weltgeschehen ausmerzen will, eines schafft er nicht: ein US-VC-Tycoon, der kürzlich verstorbene Tom Perkins, hat mit seinem Segelschiff SY "Maltese Falcon" seit 2006 bewiesen, dass Schifffahrt ohne Abgase möglich ist und die Versauerung der Meere gewaltig verringert werden könnte. Das ist Fakt und nicht auszumerzen. Und es ist keine direkte Klimapolitik, es hat mit Biodiversität zu tun und gleichwohl auch mit menschlichem Handeln. Seit ca. 1960 ist das DYNARIGG von Wilhelm Prölss bei der STG (Schiffbau Technische Gesellschaft)vorgestellt worden und war damals als 17000 Tons-Bulker gedacht.
Die Korallenbänke der Welt könnten heute anders aussehen. Und das hat Nichts mit "Glauben oder Leugnen" zu tun. Eher mit Geschäftstüchtigkeit der maritimen Wirtschaft oder auch Gier.

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