Elektromobilität
12.02.2018

Taxibranche will ran an öffentliche Ladesäulen

Foto: LEVC, Teaserfoto: istockphoto/frankpeters
Vorbild für Deutschland? Seit diesem Jahr müssen Taxis in London „zero emission capable“ sein, also 35 Meilen emissionsfrei fahren können, um eine Taxilizenz zu erhalten. So, wie das Elektrotaxi der London EV Company.

Die Taxilobby glaubt nicht daran, dass eine höhere Umweltprämie für Elektroautos die Elektrifizierung der Flotten vorantreiben wird. Stattdessen hat sie andere Vorschläge.

Rein batterieelektrische Taxis haben in Deutschland immer noch Seltenheitswert. Um das zu ändern, schlägt die Branche vor, vorhandene Ladesäulen im öffentlichen Raum auch für Taxis zu öffnen. Diese dürfen bisher nur an Taxistandplätzen auf Kunden warten, nicht aber an Ladesäulen. "Wir könnten uns vorstellen, dass hier das Bereithalterecht erweitert wird", sagt Thomas Grätz, Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands (BZP) im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. "Wir haben das Henne-Ei-Problem", so Grätz. "Wenn die Ladeinfrastruktur nicht steht, wird allein die Erhöhung der Umweltprämie kein flächendeckender Erfolg werden können."

Anzeige*

Der Taxi-Vertreter reagiert damit auf den Vorstoß von SPD-Fraktionsvize Sören Bartol. Der hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt, seine Partei wolle saubere Mobilität in den Städten und Fahrverbote für Dieselfahrzeuge vermeiden. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD eine Erhöhung der Elektroauto-Kaufprämie für Taxis und leichte Nutzfahrzeuge vereinbart, ohne eine konkrete Summe zu nennen. Die Sozialdemokraten brachten eine Erhöhung auf 8.000 Euro ins Spiel, damit Unternehmen schneller von alten Taxen und Lieferfahrzeugen auf neue E-Fahrzeuge umsteigen. Außerdem haben Union und SPD vereinbart, bis 2020 mindestens 100.000 zusätzliche Ladepunkte zu schaffen.

Bei Taxis vor allem Hybridfahrzeuge populär

Derzeit bezuschusst die Bundesregierung den Kauf eines reinen Elektroautos mit 4.000 und den eines Hybridfahrzeuges mit 3.000 Euro. Die 2016 eingeführte Prämie bleibt weiterhin ein Ladenhüter. Zum 31. Januar lag die Zahl der Anträge bei insgesamt 50.963, angeführt wird die Liste von den Modellen Audi A3 und BMW i3. In der Taxi-Branche existieren bislang kaum E-Fahrzeuge: BZP-Geschäftsführer Grätz schätzt die Zahl auf 100 bundesweit. Etwas besser sieht es bei Hybrid-Taxis aus: Vor allem dank des großflächigen Einsatzes des Modells Toyota Prius liegt hier der Anteil bei durchschnittlich acht bis zehn Prozent an der Gesamtflotte. In der Spitzenstadt Berlin sind sogar zu rund 25 Prozent Hybride unterwegs.

Die Umweltprämie für E-Autos erheblich aufzustocken, könne für einige wenige Unternehmen zwar durchaus ein Kaufanreiz sein, sagt Grätz. Dies setze aber voraus, dass es sich um einen größeren Taxi-Betrieb handele, der eine entsprechende Ladeinfrastruktur auf dem Betriebshof aufbauen könne. Solche Großbetriebe seien in der Branche jedoch die Ausnahme. "Für die vielen kleinen Unternehmen mit nur ein oder zwei Fahrzeugen hängt der Erfolg von E-Taxis davon ab, dass sie diese auch laden können", sagt Grätz.

Insbesondere für kleine Taxi-Unternehmer, die im Zweischichtbetrieb arbeiteten, seien elektrische Taxis kaum praktikabel. "Dann fällt eine Schicht weg, weil das Fahrzeug entweder in der Nacht oder tagsüber geladen werden muss", erklärt Grätz. Auch für den regulären Gelegenheitsbetrieb seien 80 bis 100 Kilometer Reichweite nicht ausreichend. Lediglich bei Vertragsfahrten wie Krankenfahrten seien Batteriefahrzeuge praktikabel, weil sich diese Touren planen ließen und im Anschluss Gelegenheit zum Laden bestehe.

Lesen Sie auch:

Ridesharing-Dienst Clever Shuttle greift Taxi-Branche an

Ex-Opel-Chef Forster bringt Londoner E-Taxis nach Europa

Jutta Maier
Keywords:
Ressorts:

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy Dezember 2017/Januar 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab sofort am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research