Öffentlicher Nahverkehr
29.09.2017

Städte setzen auf Brennstoffzelle und Elektroantrieb

Foto: Creative Commons/Molgreen, Startseite: /Ro
Batteriebetriebener Bus der Berliner Verkehrsbetriebe.

Die Flotten der Kommunen werden immer grüner. In der Region Köln fahren bald 30 Brennstoffzellen-Busse, Berlin und Hamburg schreiben batteriebetriebene Varianten aus. Doch die Hersteller können die Nachfrage nicht decken.

Es wird die größte Flotte von Brennstoffzellen-Bussen in Europa sein: Die Regionalverkehr Köln (RVK) lässt ab 2019 im Kölner Umland 30 Busse fahren, aus deren Auspuff nur Wasserdampf kommt. Zudem plant das Unternehmen, an zwei Standorten eine Wasserstoff-Tankstelle zu errichten, die Ende 2018 in Betrieb gehen sollen. Noch in diesem Jahr will die Kölner Gesellschaft außerdem eine weitere H2-Tankstelle am Flughafen Köln-Bonn errichten sowie eine bereits bestehende Wasserstoff-Station in Hürth erweitern.

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Dafür erhält die RVK eine satte staatliche Förderung: 7,4 Millionen Euro fließen aus dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP). Das EU-Projekt Jive hat weitere 5,6 Millionen Euro an Zuschüssen zugesagt, wie die nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) mitteilt. 

50 Prozent mehr Wasserstoff-Tankstellen als vor einem Jahr

Jive ist das größte Brennstoffzellen-Busprojekt in Europa. Die daran beteiligten ÖPNV-Unternehmen haben beschlossen, gemeinsam 140 Brennstoffzellen-Busse und mehrere H2-Tankstellen von europäischen Lieferanten zu beziehen. Nach Angaben von NOW gibt es heute mehr als doppelt so viele Wasserstofftankstellen wie vor einem Jahr. Bis Ende 2017 rechnet die Organisation damit, dass es gut 40 öffentlich zugängliche H2-Tankstellen gibt. Die Zahl der Wasserstoff-Fahrzeuge auf deutschen Straßen habe sich immerhin auf 400 verdoppelt.

Weitere Städte werden dem Vorbild des Kölner Umlands folgen: Momentan wird im NIP die Beschaffung von mehr als 50 weiteren Brennstoffzellen-Bussen gefördert, unter anderem in Wuppertal, bei der Rheinbahn AG und in Mainz.

Hamburg und Berlin suchen Hersteller

Und nicht nur im Kölner Umland versucht man, den Busverkehr emissionsärmer zu machen. In vielen Großstädten, allen voran Hamburg und Berlin, wollen sich die Verkehrsbetriebe langfristig vom Verbrenner verabschieden. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf batterielektrischen Antrieben. Die Hansestadt ist Vorreiter und will ihr Bussystem bis 2030 komplett elektrisch antreiben. 60 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben gibt es bereits, Anfang September haben die Hamburger einen Auftrag für weitere 30 Elektrobusse ausgeschrieben. Berlin plant noch in diesem Jahr eine Ausschreibung für ebenfalls 30 E-Busse.

Doch die Hersteller sind nicht auf den neu entstehenden Markt und die große Nachfrage eingestellt. „Man findet in Europa am Markt keine Busse“, klagte eine Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Momentan kämen die Busse von einem kleineren Hersteller aus Polen. „Wir würden in großen Mengen kaufen und hoffen, dass es bei der Industrie in den Köpfen ankommt, dass man hier Geld verdienen kann.“ Die BVG habe 1.500 Busse im Bestand, fast alle fahren mit Diesel. Ein Fahrzeug müsse nach etwa acht Jahren ausgetauscht werden. „Irgendwann werden wir weit über 1.000 Elektrobusse brauchen“, sagt die Sprecherin.

Jutta Maier
Keywords:
ÖPNV | Brennstoffzelle | Elektromobilität | Wasserstoff
Ressorts:
Governance | Technology

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