Apple
16.06.2017

Schulden für grüne Investments

Foto: Mike Deerkoski
Apple-Chef Tim Cook

Mit dem neuen, milliardenschweren "Green Bond" will der Technologie-Gigant seine Ökobilanz aufpolieren. Auch politisch setzt Apple mit der Emission ein Ausrufezeichen.

Ein Volumen von einer Milliarde US-Dollar hat die zehnjährige Anleihe, die der iPhone-Konzern Anfang der Woche angekündigt hat. Mit der Platzierung mandatiert wurden Bank of America, Goldman Sachs und JPMorgan Chase. Das Geld soll Apple beim Erreichen eines großen Zieles helfen: Langfristig wollen die Kalifornier ihren gesamten Energiebedarf über erneuerbare Energien decken. Dazu ist der Ausbau der Versorgung von Standorten mit Wind-, Solar- und Biogasenergie geplant. Schon heute belegt der Konzern mit dem Apfel-Logo in einer Greenpeace-Rangliste zur Energienutzung großer IT-Unternehmen den ersten Platz, weil 83 Prozent des genutzten Stroms aus regenerativen Quellen stammen. Auch in anderen Bereichen steht Umweltschutz auf Apples Agenda weit vorn. So sollen dem jüngsten Umweltbericht des Unternehmens zufolge neue Produkte künftig in der kompletten Lieferkette nur noch aus wiederverwerteten Materialien hergestellt werden. Das frische Geld könnte beim Erreichen dieses Zieles helfen.

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Mit seiner Öko-Anleihe ist Apple ein Wiederholungstäter. Schon 2016 hatte der Konzern seinen ersten Green Bond im Volumen von 1,5 Milliarden US-Dollar aufgelegt, die bislang größte „grüne“ Anleihe eines US-Unternehmens. Damit bedient Apple einen schnell wachsenden Markt, denn die Schuldtitel mit grünem Anstrich liegen im Trend. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Climate Bonds Initiative (CBI) weltweit Green Bonds im Volumen von mehr als 81 Milliarden Dollar emittiert, damit hatte sich das Marktvolumen gegenüber 2015 mehr als verdoppelt. 2017 dürfte ein neues Rekordjahr werden: Bislang wurden Öko-Anleihen (nach CBI-Definition) im Volumen von 49 Milliarden Dollar auf den Markt gebracht, im Gesamtjahr rechnet CBI mit einem Emissionsvolumen von 150 Milliarden Dollar.

Barmittel von mehr als 250 Milliarden Dollar

Nicht nur bei Öko-Anleihen ist Apple aktiv. Der Gigant aus Cupertino hat an den Bondmärkten insgesamt schon mehr als 100 Milliarden US-Dollar aufgenommen, obwohl das Unternehmen auf Barmitteln von mehr als 250 Milliarden US-Dollar sitzt. Hintergrund ist, dass die Finanzierung von Dividenden, Aktienrückkäufen oder ambitionierten Öko-Vorhaben über die Bondmärkte für Apple günstiger ist als durch den Griff in die eigene Kasse. Apple hat nämlich den größten Teil seiner Barmittel außerhalb der USA geparkt, und wenn dieses Geld ins Heimatland zurückfließt, würde eine Steuer von gut 35 Prozent fällig. Angesichts der niedrigen Zinsen, der derzeit an den Anleihemärkten gezahlt werden müssen, sind Bonds die günstigere Geldquelle. So sollte es nach Ansicht von Tim Cook jedoch nicht bleiben. Der Apple-Chef fordert bereits seit einiger Zeit eine Anpassung des US-Steuerrechts, auch um den Geldfluss in die Heimat attraktiver zu machen. In dieser Hinsicht ist er sich mit Donald Trump einig, der für die Repatriierung von Gewinnen schon erhebliche Steuersenkungen in Aussicht gestellt hat.

Viel mehr Gemeinsamkeiten haben Trump und Cook nicht, der Apple-CEO gehört beispielsweise zu den schärfsten Kritikern des geplanten Ausstieges der USA aus dem Pariser Klimaabkommen. Es dürfte kein Zufall sein, dass Apples zweite Green-Bond-Emission keine zwei Wochen nach der Paris-Aufkündigung durch Trump auf den Weg gebracht wurde. "Die Führungsrolle der Wirtschaft ist essenziell, um der Gefahr des Klimawandels zu begegnen und unseren Planeten zu schützen", sagte in diesem Zusammenhang Lisa Jackson. Die frühere Leiterin der US-Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency (EPA) ist seit 2013 in Cupertino als Vice President für Umwelt, Politik und Soziales zuständig. Tim Cook hatte vor Trumps Entscheidung sogar noch persönlich versucht, den US-Präsidenten vom Verbleib im Pariser Abkommen zu bewegen – vergeblich.

Eine neue Chance könnte sich Cook noch in diesem Monat bieten. Nach Angaben der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg wird der Apple-Chef am geplanten "Tech Summit" im Weißen Haus teilnehmen, geleitet wird das Treffen von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner. Bei dieser Gelegenheit sollen laut Bloomberg auch Microsoft-CEO Satya Nadella und Amazon-Chef Jeff Bezos präsent sein. Der Zweck des neuen, als "American Technology Council" firmierenden Beratergremiums soll sein, der US-Regierung Vorschläge zu unterbreiten, wie das Land technisch innovativ bleibt. Für Cook ist es eine Gelegenheit, auch über Klimawandel und Steuern zu reden.

Gregor Hallmann
Keywords:
Apple | Green Bond | Öko-Anleihe | Kalifornien | Erneuerbare Energie
Ressorts:
Finance

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