USA
19.01.2017

Renewables werden Klimaskeptiker Trump überleben

Foto: Gage Skidmore
Donald Trump setzt auch auf Silicon-Valley-Größen als Berater.

Der neue US-Präsident wird grüne Technologien nicht ins Abseits drängen können, prognostizieren Brancheninsider in den Vereinigten Staaten.

Im Kabinett von Donald Trump, der am morgigen Freitag als 45. Präsident der USA vereidigt wird, wimmelt es nur so von Klimaskeptikern. Von Rex Tillerson, Ex-Chef des Ölkonzerns Exxon Mobil und künftiger Außenminister, über Scott Pruitt, angehender Chef der Umweltschutzbehörde EPA, deren Clean Power Plan er als Generalstaatsanwalt in Oklahoma noch bekämpft hatte, bis hin zu Rick Perry, Ex-Gouverneur des Öl-Staates Texas, der unter Trump Energieminister wird. Unter Trump werden, das ist jedenfalls zu erwarten, Vorgaben zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes nicht in Kraft treten. Zudem dürften sich die USA vom Pariser Klimaabkommen zurückziehen und Auflagen für die Öl- und Kohleindustrie zurücknehmen.  

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Immerhin: Der scheidende Amtsinhaber Barack Obama glaubt, dass der Boom der erneuerbaren Energien die Trump-Administration überdauern wird. Obama steht damit nicht allein. Auch Brancheninsider wie Jigar Shah, Mitgründer der Solarfirma SunEdison und Cleantech-Investor bei der US-Wagniskapitalfirma Generate Capital, sehen optimistisch in die Zukunft. „Grüne Energie hat bereits den Status der Unumkehrbarkeit erreicht“, sagt Shah im Gespräch mit bizz energy. „Je früher die Trump-Administration das einsieht, desto schneller kann sie unseren Erfolg für die inländische Produktion und Beschäftigung nutzen.“

Auch James Van Nostrand, Leiter des Zentrums für Energie und nachhaltige Entwicklung an der West Virginia University, geht davon aus, dass erneuerbare Energien wegen ihrer sinkenden Kosten ein Selbstläufer sind. Der Kohlebergbau, den Trump bekanntlich wiederbeleben will, habe dagegen keine Chance: „Günstiges und reichlich vorhandenes Erdgas, zurückgehende Kosten für Wind und Solar sowie Energieversorger, die klimaneutrale Stromquellen verstärkt ins Portfolio aufnehmen, werden Kohlekraftwerke verdrängen“, sagt er zu bizz energy.

 

Obama überweist 500 Millionen an Klima-Fonds

Obama hatte den Renewables-Boom in einem Gastbeitrag für das Wissenschaftsmagazin Science als „irreversibel“ bezeichnet. Er begründete dies unter anderem damit, dass sich Wirtschaftswachstum und Energiesparen bereits miteinander vereinbaren lassen, Kohle durch günstigeres Erdgas ersetzt wird und Firmen freiwillig auf Energieeffizienz setzen. Drei Tage vor seinem Auszug aus dem Weißen Haus setzte Obama zudem nochmal ein Zeichen für den Klimaschutz: Er übergab einen 500-Millionen-Dollar-Scheck an den Green Climate Fund, der ärmere Länder bei der Implementierung grüner Technologien unterstützt. Trump hatte im Wahlkampf hingegen angekündigt, künftige Zahlungen einzustellen und das Geld stattdessen in Projekte im Inland investieren zu wollen. Eigentlich hatten die USA im Rahmen des Pariser Klimavertrags zugesagt, drei Milliarden Dollar in den Fonds einzuzahlen. Eine Milliarde ist bisher geflossen.

In den USA liegt es künftig wohl vor allem in den Händen der Privatwirtschaft, grüne Technologien und Geschäftsmodelle voranzutreiben. Viele Unternehmen haben verstanden, dass dies nicht nur im Kampf gegen den Klimawandel, sondern auch für ihre Wettbewerbsfähigkeit notwendig ist. Nach Trumps Wahl zum Präsidenten forderten ihn 360 Unternehmen mit Sitz in den USA in einem Brief dazu auf, sich an das Klimaabkommen zu halten. Vor allem die großen Technologie-Firmen haben sich dem Thema verschrieben: Google wird den Betrieb seiner Rechenzentren dieses Jahr komplett auf Ökostrom umstellen, Apple bietet inzwischen sogar selbst grünen Strom an.  

 

Elon Musk wird Trump beraten

Dass Trump auf diesem Auge nicht völlig blind ist, zeigt, dass er sich in Zukunft von Tesla-Gründer Elon Musk beraten lassen will. Der Silicon-Valley-Star wird Mitglied des sogenannten Strategic and Policy Forum, zu dem auch Travis Kalanick zählt, Chef des Fahrdienstes Uber. Sie sollen sich regelmäßig mit Trump treffen und ihm Einblicke in die Industrie und Privatwirtschaft liefern. Dabei könnten Musks und Trumps Ziele in Bezug auf Klimaschutz kaum weiter voneinander entfernt sein: Schließlich will Musk mit Elektroautos und Solarenergie die Abhängigkeit der Menschheit von fossilen Brennstoffen bekämpfen. Trump wird wohl zur Kenntnis genommen haben, dass Musk mit seinen Firmen Tesla, Solarcity und SpaceX knapp 35.000 Arbeitsplätze geschaffen hat, vor allem in den USA. In der Batteriefabrik Gigafactory sollen bis 2020 weitere 6.500 Jobs hinzukommen. 

Jutta Maier
Keywords:
Donald Trump | Klimawandel | Elon Musk | Barack Obama | Jigar Shah | Grüne Technologie
Ressorts:
Governance | Technology

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