E-Transporter
02.10.2017

Post weitet Streetscooter-Angebot aus

Foto: Deutsche Post

Eine neue Fabrik, Transporter mit Brennstoffzelle und Spezialfahrzeuge fürs Handwerk: Die Deutsche Post steigert das Tempo und will bei grüner Logistik Marktführer sein.

Roland Schüren ist am Ziel. Der Bäcker aus Hilden in Nordrhein-Westfalen hatte Anfang des Jahres über Facebook eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen, weil er und seine Kollegen keinen Automobilhersteller finden konnten, der ihnen einen passenden E-Transporter baut. Rund 200 Handwerksbetriebe schickten eine Ausschreibung heraus, an der sich unter anderem die Deutsche-Post-Tochter Streetscooter beteiligte. Daraus hervorgegangen ist das „Bakery Vehicle One“ (BV1), ein elektrischer 3,5 Tonner. Streetscooter baut die Fahrgestell-Varianten zusammen mit der Firma TBZ Fahrzeugbau aus Baden-Württemberg, die Kastenwagen-Varianten kommen von Voltia aus dem slowakischen Bratislava. Zehn Versionen mit jeweils zwei Batteriegrößen sind ab 42.950 Euro bestellbar – abzüglich des Umweltbonus von 4.000 Euro. Die ersten BV1 können noch in diesem Jahr ausgeliefert werden.

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Große Nachfrage wegen möglicher Diesel-Fahrverbote

Das Bäcker-Fahrzeug ist ein Beispiel für die Strategie von Streetscooter, Vehikel für die speziellen Bedürfnisse verschiedener Branchen herzustellen. Energieversorger, Entsorgungsunternehmen, Kommunen sowie Flughäfen, Facility Management- oder Catering-Unternehmen hätten Bedarf an E-Transportern. „Mit der gesteigerten Produktionskapazität können wir die große Nachfrage von Drittkunden nach unseren E-Fahrzeugen nun noch besser und schneller bedienen“, sagt Achim Kampker, CEO von Streetscooter. Vor allem wegen drohender Fahrverbote von Diesel-Fahrzeugen in vielen Innenstädten werden emissionsfreie Fahrzeuge für Zusteller und Handwerker immer wichtiger.

Darüber hinaus nimmt Streetscooter nun auch einen weiteren alternativen Antrieb in den Blick: die Brennstoffzelle. In den nächsten beiden Jahren will das Unternehmen einige hundert der größeren Streetcooter-Transporter mit Wasserstoff-Antrieb testen. Da sie wie Verbrenner auf Reichweiten von mehr als 500 Kilometer kommen, sind sie insbesondere für längere Strecken eine interessante Alternative. Außerdem produziert das Unternehmen ab sofort die herkömmlichen, batterieelektrischen Modelle mit höheren Reichweiten: Bisher fahren die E-Vehikel rund 85 Kilometer pro Stunde schnell bei einer Reichweite von 80 Kilometern, künftig sollen es 200 Kilometer bei einer Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern sein. „Unser Ziel ist und bleibt, Marktführer in der grünen Logistik zu sein“, verkündet Deutsche Post-Konzernvorstand Jürgen Gerdes.

Neues Werk in Düren steigert Produktionskapazität

Zu diesem Zweck baut Streetscooter seine Produktionskapazitäten aus. In Düren entsteht ein zweites Werk, in dem bis zu 250 neue Arbeitsplätze geschaffen und maximal 10.000 Fahrzeuge jährlich gebaut werden können. Die Produktionshallen befinden sich auf dem rund 78.000 Quadratmeter großen Gelände des Autozulieferers Neapco. Im zweiten Quartal 2018 soll es losgehen. Streetscooter hat dann insgesamt drei Werke in Düren und Aachen und kann insgesamt 20.000 Transporter jährlich produzieren. Allerdings wäre auch hier noch Luft nach oben: „Ein weiterer Ausbau wäre bei Umstieg auf einen Zwei- oder sogar Drei-Schicht-Betrieb möglich“, teilt die Deutsche Post mit. Ebenfalls noch in diesem Jahr in Aachen sollen rund 150 Vorserienfahrzeuge des Streetscooter Work XL entstehen, die das Unternehmen in Kooperation mit US-Autobauer Ford entwickelt. Basis ist das Fahrgestell des Modells Transit. Die Deutsche Post wird damit Pakete zustellen.

Streetscooter sorgt in der Branche seit einiger Zeit für Aufsehen und ist dabei, mit seinem E-Transporter-Angebot an den klassischen Autobauern vorbeizuziehen. CEO Achim Kampker, Inhaber des neu gegründeten Lehrstuhls Production Engineerung of E-Mobility Components (PEM) an der RWTH Aachen, hatte Streetscooter 2010 gemeinsam mit seinem Professoren-Kollegen Günter Schuh aus der Taufe gehoben. 2014 übernahm die Deutsche Post das Start-up. Dessen Erfolg zeigt, dass sich ein Fahrzeug in kurzer Zeit zu relativ geringen Kosten auf den Markt bringen lässt – im Kontrast zu den langen Entwicklungs- und Produktionszyklen der herkömmlichen Autobauer. Kampker hat inzwischen auch ein Buch über die Streetscooter-Geschichte mit dem Titel „Think Big, Start Small“ herausgebracht.

Lesen Sie auch: Wie Wasserstoff den Güterverkehr anschiebt

Jutta Maier
Keywords:
Streetscooter | Deutsche Post | E-Transporter | Grüne Logistik | RWTH Aachen
Ressorts:
Technology | Markets

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