China
25.02.2016

Pekings Aktionismus gegen den Smog

foto: deposit
Peking.

Mit Windkorridoren will die Regierung in Peking die dreckige Luft aus der Millionenmetropole blasen. Das wird die Luftqualität nicht verbessern, glauben Wissenschaftler.

 

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Die von der Regierung geplanten Lüftungskorridore werden das Smog-Problem in Chinas Megacities nicht lösen – prognostizieren zumindest deutsche und chinesische Forscher. „Die Pläne für Peking sind eine Symbolmaßnahme “, sagt Elena Klorer, Wissenschaftlerin am Berliner Mercator Institut für China-Studien. „Die Ursachen der Luftverschmutzung werden damit nicht bekämpft.“ Diese Kritik äußern auch chinesische Kollegen.

Die Expertin für Urbanisierung, die selbst während ihres Studiums in Peking gelebt hat, ergänzt: „Peking kämpft oft mit einer Inversionswetterlage. Warme verschmutzte Luft bleibt über der Stadt hängen. Weht dann kein kräftiger Wind, nützen auch die Windkorridore nichts.

Das Pekinger Städteplanungsinstitut hatte diese Woche verkündet, in der Hauptstadt bis zu 500 Meter lange Lüftungskorridore bauen zu wollen. Sie sollen entlang von Parks, Flüsse und Seen lange Schneisen bilden, durch die der Wind den Smog aus der Stadt fegen soll. „Die Lüftungskorridore können den Windfluss durch die Stadt verbessern und so Hitze und Verschmutzung wegpusten“, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhuanet den Chef der städtischen Planungsbehörde Wang Fei. In Shanghai und Fuzhou sind solche Systeme bereits installiert.

Die Bewohner Pekings leiden zunehmend unter der starken Luftverschmutzung – vor allem in den Wintermonaten sieht man oft die Hand vor Augen nicht mehr. Nach Angaben der staatlichen Umweltbehörde wurde in Peking im vergangenen Jahr an 186 Tagen der zulässige Grenzwert überschritten. Ausgerechnet zum Weltklimagipfel im November vergangenen Jahres riefen die Behörden in Peking erstmals die höchste Smog-Alarmstufe aus.

 

China will mit dem Umbau zu einer grünen Wirtschaft die globale Führungsrolle übernehmen

China hat sich jedoch ehrgeizige Ziele beim Umweltschutz und beim Erneuerbaren-Ausbau gesetzt. Die Regierung in Peking will die globale Führungsrolle übernehmen. Mittlerweile verfügt das Reich der Mitte über die mit Abstand größten Produktionskapazitäten in der PV-Industrie. Mit 60 Gigawatt installierter Kapazität belegt das Land auch in der Windindustrie den Spitzenplatz.

Jetzt will die Regierung die E-Mobilität in Fahrt bringen. Bis 2020 sollen rund fünf Millionen E-Autos auf den Straße unterwegs sein. Soeben hat der staatliche Netzbetreiber State Grid Corporation an acht Autobahnen des Landes weitere Schnellladetankstellen für E-Autos in Betrieb genommen, darunter die wichtige Strecke von Peking bis Shanghai, berichtet der Branchendienst Automobilproduktion. Demnach plant das staatliche Unternehmen bis 2020 entlang von 36.000 Autobahnkilometern rund 10.000 Ladestationen und 120.000 Ladepunkte. Das Gesamtinvestment liege demnach bei umgerechnet rund 770 Millionen US-Dollar. 

Jana Kugoth
Keywords:
China | Mercartor Institut for China Studies | Luftverschmutzung | Peking | Smog | Wind | Solar | E-Mobilität | China State Grid
Ressorts:
Governance | Markets

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