Stromzähler
05.10.2017

Holland hängt Deutschland mit „fairen“ Smart Meters ab

Foto: Iskraemeco
Ein Smart Meter des Herstellers Iskraemeco: Das Unternehmen liefert Zähler in die Niederlande, die nach ökologischen und sozialen Kriterien produziert werden.

Während Deutschland bei der Einführung intelligenter Stromzähler auf der Stelle tritt, machen die Niederlande einen Entwicklungssprung: Sie installieren nachhaltig produzierte Smart Meters.

Wenn die künftigen deutschen Regierungskoalitionäre sehen möchten, wie ein Stromnetz mit intelligenten Zählern ausgerüstet wird, brauchen sie nur in die Niederlande zu schauen. Das Nachbarland eilt Deutschland beim „Rollout“ der Smart Meters voraus. Der größte niederländische Netzbetreiber Alliander wird bis zum Jahresende zwei Millionen Exemplare bei drei Millionen seiner Kunden eingebaut haben. Und er lässt seine Geräte auch gleich möglichst nachhaltig produzieren.

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Die neuen Zähler sollen nicht nur sparsamen Stromverbrauch und einen effizienten Einsatz erneuerbarer Energien unterstützen, sondern schon bei ihrer Produktion zum Umweltschutz und zu besseren Arbeitsbedingungen in der Lieferkette beitragen. Deshalb haben die Netzbetreiber Alliander und Stedin die Initiative „Fair Meter“ gestartet. Das Ziel: Smart Meter möglichst ressourcenschonend und möglichst ohne Rohstoffe aus Kriegsgebieten fertigen zu lassen.

Partner Landis + Gyr und Iskraemeco

„Das Smart Meter soll helfen, die Klimaziele zu erreichen – warum sollte es dann nicht selbst nachhaltig sein?“, sagt Dominique Hermans, Nachhaltigkeitsexpertin bei Alliander, im Gespräch mit bizz energy. Deshalb ist der Versorger Entwicklungspartnerschaften mit den Smart-Meter-Herstellern Iskraemeco aus Slowenien und Landis + Gyr aus der Schweiz eingegangen und kooperiert mit Phillips. Bei Gaszählern hat er sich mit dem dänischen Hersteller Flonidan zusammengetan.

Ein schlauer Stromzähler der neuesten Generation, vollgepackt mit Elektronik, enthält 250 unterschiedliche Materialien, darunter viele Edelmetalle. Der Materialhunger der globalen Elektronikindustrie lässt die Vorkommen rasch schrumpfen. „Die Silbervorräte der Erde beispielsweise werden bereits in zwölf Jahren verbraucht sein“, sagt Hermans. Neben Smartphones und Computern verbrauche zunehmend auch die Produktion von Smart Meters wertvolle Metalle.

Lieferketten zurückverfolgen

Gemeinsam mit den Herstellern verfolgen Experten der Fair-Meter-Initiative die Lieferketten der Bauteile zurück. Sie versuchen, Zulieferer transparent zu machen und die Arbeitsbedingungen in den Rohstoffminen zu verbessern. Iskraemeco hat inzwischen 600.000 Geräte in die Niederlande geliefert, bei deren Herstellung Nachhaltigkeitskriterien angewendet wurden. Die ersten „fairen“ Zähler von Landis + Gyr erwartet Alliander im Januar. 
 
Die Fair-Meter-Verfechter haben sich vom Markterfolg des niederländischen Mobiltelefonherstellers Fairphone inspirieren lassen. Alliander will nach eigenen Angaben mittelfristig bald nur noch nachhaltig produzierte Zähler einsetzen. Hermans sagt, die Partner-Hersteller achteten schon bei der Entwicklung darauf, dass die Geräte nach ihrem Lebenszyklus leicht zerlegt und recycelt werden könnten. „Bei steigenden Rohstoffpreisen ist das wirtschaftlich sinnvoll.“ Zunächst bedeute die Umstellung zwar höheren Forschungs- und Entwicklungsaufwand. „Aber wir sehen bereits jetzt, dass es sich in der Serienproduktion rechnet.“

Trübe Aussichten für Deutschland

Für den noch schwach entwickelten deutschen Markt ist das Zukunftsmusik. Die Bestandsaufnahme der Marktforschungsdienstes Bloomberg New Energy Finance (BNEF) fällt ernüchternd aus. „Deutschland ist beim Smart Metering ein Nachzügler mit schwacher politischer Unterstützung und einer der niedrigsten Durchdringungsraten in Europa“, schreiben die Marktforscher. „Wir erwarten keine weiträumigen Investitionen bis Mitte der 2020er Jahre.“ Ganz anders sieht es in den gegenwärtig fünf größten Smart-Meter-Märkten China, USA, Japan, Italien und Spanien aus. Ihnen prognostiziert BNEF bis Jahresende insgesamt 670 Millionen eingebaute schlaue Stromzähler.

Lesen Sie auch: Smart-Meter-Start verzögert sich

Christian Schaudwet
Keywords:
Smart Meter | Nachhaltigkeit | Smart Grid
Ressorts:
Governance | Technology

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