Klimaschutz
15.03.2016

MCC-Studie: Schleppender Klimaschutz gefährdet UN-Nachhaltigkeitsziele

Wissenschaftler fordern schnelle Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Sie setzen vor allem auf mehr Energieeffizienz.

 

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Eine langsame Klimapolitik gefährdet die UN-Nachhaltigkeitsziele. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Berliner Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). Sie trägt den Titel „2°C and SDGs: United they stand, divided they fall?“ und ist am heutigen Mittwoch im renommierten Fachmagazin Environmental Research Letters erschienen.

Das Ergebnis: Abhängig davon, welchen Zielen eine höhere Priorität eingeräumt wird, sind andere Ziele schwerer zu erreichen. Beispielsweise bedeute der geringere Einsatz von Bioenergie beim Klimaschutz zwar mehr Sicherheit bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und eine bessere Luftqualität, heißt es in der Studie. Andererseits sei dann das Ziel einer weltweit bezahlbaren Energieversorgung bis 2030 kaum noch erreichbar. „Wer weniger Bioenergie will, muss umso mehr CO2 einsparen - und müsste dann zum Beispiel noch schneller aus der Kohleverstromung raus und die Erneuerbaren noch schneller ausbauen", erklärt MCC-Wissenschaftler Christoph von Stechow.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele wurden 2015 von allen 193 Staaten der Vereinten Nationen verabschiedet und sollen 2030 erreicht sein. Die Studienautoren haben für ihre Analyse die Wechselwirkungen zwischen Klimaschutz und zehn anderen Nachhaltigkeitszielen untersucht, wie beispielsweise dem Zugang zu bezahlbarer und sauberer Energie, weniger Meeresversauerung oder geringere Luftverschmutzung. Auf Basis bestehender Szenarien haben die Forscher in einem Modellvergleich die Auswirkungen auf verschiedene Nachhaltigkeitsrisiken berechnet.

Um dennoch alle Ziele erreichen zu können, geben die Forscher den Regierungen Empfehlungen an die Hand. Sie fordern eine „erhebliche Steigerung der globalen Energieeffizienz“. Dazu müsste diese jährlich um zwei Prozent gesteigert werden. Folglich wären Länder weltweit um ungefähr ein Drittel weniger auf Technologien wie die unterirdische CO2-Speicherung oder Atomkraft angewiesen.

Derzeit wächst die Energieeffizienz um rund 1,3 Prozent pro Jahr.

Mehr Energieeffizienz fordert auch die Leiterin des Rates für Nachhaltige Entwicklung im Bundeskanzleramt. Im Exklusiv-Interview mit bizz energy im Frühjahr 2015 bezeichnete sie den „schlafenden Riesen der Energiewende“ als „ein bisher vernachlässigtes Thema“, das sowohl für die Energiewende als auch für den Klimaschutz ein wichtiges Handlungsfeld sei. Damals sagte sie: „
Der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz enthält gute Ansätze, muss jetzt aber dringend Ergebnisse liefern, sonst erreicht Deutschland seine Ziele nicht.“ 
Das vollständige Interview lesen Sie hier. 

Redaktion
Keywords:
MCC | Klimaschutz | Nachhaltigkeitsziele | Studie | Energieeffizienz
Ressorts:
Governance | Technology

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