Photovoltaik
27.10.2016

Marketingschlager Solar-Flatrate

Foto: Sonnen
Mit einem Speicher wollen sich viele Solaranlagen-Besitzer ein wenig unabhängiger von ihrem Stromanbieter machen.

Mit neuen Paketmodellen für PV-Anlagenbesitzer versprechen Anbieter mehr Unabhängigkeit. Für Kunden ist der Nutzen schwer berechenbar, Verbraucherschützer bewerten die Angebote zurückhaltend.

Flatrate, Cloud, Community, Strom kostenlos – für ihre neuen Angebote ist eine Handvoll Energieunternehmen nicht um populäre Schlagworte verlegen. Am passendsten lassen sich die Offerten vielleicht als Solarpakete bezeichnen. Sie richten sich an Kunden, die eine eigene PV-Anlage auf dem Dach haben oder installieren wollen und offen für zusätzliche Dienstleistungen wie verlängerte Garantiezeiten sind. Immer geht es um die Aussicht, sich möglichst vollständig mit Grünstrom zu versorgen.

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Mit eigenen PV-Modulen können Haushalte etwa 30 Prozent ihres Bedarfs selbst erzeugen, mit einem Batteriespeicher sind deutlich über 50 Prozent erreichbar. Was die eigene Anlage trotzdem nicht deckt, liefert der Anbieter zu. Bei vielen Paketen soll der Grünstrom aus anderen Öko-Kraftwerken kommen, die sich bei dem Dienstleister zu einer „Gemeinschaft“ zusammengeschlossen haben.

Die Kunden müssen einerseits Hardware vom jeweiligen Anbieter kaufen und zahlen zusätzlich eine monatliche Gebühr – meist zwischen 20 und 40 Euro. Die Firmen Sonnen und Senec machen den Kauf eines Batteriespeichers zur Voraussetzung, bei Beegy ist alternativ auch der Kauf einer PV-Anlage möglich.

 

Teure Batteriespeicher

Selbst für Verbraucherschützer sind die Angebote schwierig zu bewerten. „Auf den ersten Blick überzeugen die Modelle nicht durch eine große Attraktivität, was den Preis angeht“, formuliert es Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Kunden müssen schon Grundkenntnisse in Investitionsrechnung mitbringen, um die Wirtschaftlichkeit analysieren zu können. Es geht nicht um Taschengeldbeträge: Die Firma Sonnen etwa rechnet mit Anschaffungskosten von 15.000 Euro für Solaranlage und Speicher sowie 2.400 Euro, die innerhalb von zehn Jahren an Gebühren hinzukommen.

Fraglich ist schon die Investition in einen Lithium-Akku. „Speicher sind im Moment noch zu teuer“, sagt Sieverding. Eine Vergleichsrechnung von bizz energy RESEARCH in der Juni-Ausgabe hatte ergeben, dass die höchste Rendite erzielt, wer seine PV-Anlage um das Jahr 2020 mit dann kostengünstigeren Akkus nachrüstet.

Wenn ein Hausbesitzer aber gerne schon jetzt das Gefühl haben möchte, unabhängiger von seinem Stromlieferanten zu sein, sollte er zumindest die Preise verschiedener Batterien zu vergleichen. Für das Beispiel Sonnen sagt der Verbraucherschützer aus Düsseldorf: „Im Vergleich mit Lithium-Ionen-Speichern weiterer Hersteller liegt Sonnen im Feld der Besten. Es gibt aber durchaus Anbieter mit besserem Preis-Leistungs-Verhältnis.“

 

Einfach sparen mit Anbieterwechsel

Zweiter Knackpunkt: die Stromkosten. In ihren Beispielrechnungen vergleichen die Flatrate-Anbieter ihre Pauschalangebote gerne mit den Ausgaben, die anfallen würden, wenn jemand seinen kompletten Strom von einem Versorger bezöge. In manchen Rechnungen legen die Anbieter allerdings den hohen Kilowattstundenpreis von durchschnittlich 30,1 Cent aus der Grundversorgung zu Grunde. Bei alternativen Versorgern sparen Haushalte laut Bundesnetzagentur jedoch im Mittel sieben Prozent. Pro Jahr macht das bei einem Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden schon eine Differenz von 77 Euro aus. Bei den günstigsten Anbietern ist die Ersparnis noch größer.

Wirtschaftlich sind die Solarpakete außerdem Wetten auf stark steigende Strompreise. Die Beratungs- und Forschungsinstitute Prognos und EWI erwarten in ihrer zwei Jahre alten Energiereferenzprognose für die Bundesregierung jährliche Strompreissteigerungen von 3,7 Prozent bis 2025. Allerdings rechnen die Experten für die Mitte des kommenden Jahrzehnts damit, dass die Strompreise einige Jahre stagnieren oder sogar sinken. Dann fallen massenhaft Erneuerbaren-Anlagen aus der hohen Förderung der Anfangsjahre des EEG.

 

Strompreise sollen sich in zehn Jahren stabilisieren

In genau dieses Strompreisplateau kommt hinein, wer sich in nächster Zeit einen Batteriespeicher zulegt. Nimmt man nicht 2025 als Zieljahr, sondern 2030, rechnen Prognos und EWI von heute an nur noch mit jährlichen Strompreissteigerungen von 2,8 statt 3,7 Prozent. Für die Wirtschaftlichkeit von Eigenversorgungsmodellen kann das einen bedeutenden Unterschied machen.

Für alle, die nach mehr Unabhängigkeit von steigenden Strompreisen streben, hat Verbraucherschützer Sieverding einen pragmatischen Rat: einfach einen sparsameren Kühlschrank kaufen.

Manuel Berkel
Keywords:
Photovoltaik | Autarkie | Flatrate | Beegy | sonnen | Senec | Verbraucherzentrale | Batteriespeicher
Ressorts:

Kommentare

Was wurde hier den Recherschiert?
Die Daten stimmen überhaupt nicht....i.R. wird mit 25 Cent gerechnet wenn höher dann wurden oft die Grundgebühr des Versorgers umgerechnet.
Sonnen ist bestimmt nicht der günstigste Anbieter sondern irgendwo im Mittelfeld...Autarkie mit Speicher liegt bei richtiger Dimensionierung eher bei 60-80%....usw....es wird auch nicht gerechnet, dass der Kunde wenn er jetzt investiert ja faktisch schon spart.
Zu Cloud: der 30 % Reststrom des Kunden den er noch einkaufen muss wird i.R. teuer: hohe Grundkosten (12.40 EUR/Monat Bayernwerk) weil das eben eher 1000-2000kWh Reststrom bezug sind...da fährt er z.B. mit Senec.Cloud günstiger eben und langfristig keine Steigerung....
Aber der Kommentator kennt dieses Modell wohl eben nicht genau..Danke

Es gibt doch auch heute schon Strom Flatrates bei denen man gar keine Hardware kaufen muss. Ich meine innogy hat so etwas aktuell im Angebot.

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