Photovoltaik
09.08.2017

Lukrative Solargeschäfte im Iran

Foto: Athos Solar
Pionier aus Heidelberg: Athos Solar errichtet Photovoltaik-Anlagenn in der iranischen Provinz Hamadan

Erst wenige Energieunternehmen wagen sich ins Land, Banken schrecken vor der Projektfinanzierung zurück. Dennoch bahnt sich im Iran ein Solarboom an – mit deutscher Hilfe.

Wer über die weltgrößten Erdgasreserven verfügt und 70 Prozent seines Stroms aus Gas und Öl erzeugt, müsste sich über Solarstrom eigentlich keine Gedanken machen. Der Iran tut es trotzdem. Das elektrisiert die internationale Photovoltaik-Branche, denn Teheran lockt mit Einspeisevergütungen nach deutschem EEG-Vorbild. Der Pionier im Iran heißt Athos Solar. Das Heidelberger Unternehmen betreibt dort drei Solarparks und plant bereits die nächsten.

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Theoretisch könnte der Iran für die internationale Karawane der Photovoltaik (PV) zum Eldorado werden: Die Regierung schreibt die zunehmenden Dürren im Land der Erderwärmung zu und hat sich mit dem Klimaabkommen von Paris zur Verringerung des CO2-Ausstoßes verpflichtet. Bis 2020 will der Staat Erneuerbare-Energien-Kapazitäten von 5.000 Megawatt schaffen. Photovoltaik soll dabei die Hauptrolle spielen – nicht überraschend in einer Region mit der 2,5-fachen Sonneneinstrahlung Deutschlands. (Lesen Sie auch: Neue Chancen im Iran – eine Kolumne von Friedbert Pflüger)

Furcht vor Nachteilen im US-Geschäft

Doch die Hoffnung, dass nach dem Ende der internationalen Sanktionen gegen den Iran Anfang 2016 auch große europäische Banken in das Land drängen und Projekte finanzieren würden, blieb bisher unerfüllt. Die Finanzkonzerne befürchten Nachteile für ihr Geschäft in den USA. Denn diese haben trotz des internationalen Atomabkommens mit dem Iran neue Sanktionen verhängt, weil der Iran Langstreckenraketen testet und den syrischen Machthaber Baschar al-Assad militärisch unterstützt. US-Präsident Donald Trump unterschrieb Anfang August ein Gesetz, das die Sanktionen noch einmal ausweitet.

Dessen ungeachtet wächst das Interesse: „Es sind viele ausländische Unternehmen am Ball“, sagt der iranische Solarexperte Assghar Mahmoudi aus Kassel im Gespräch mit bizz energy. Er berät derzeit fünf deutsche Unternehmen beim Markteintritt, darunter Sybac Solar aus dem rheinland-pfälzischen Kehrig.

50 Millionen Euro aus eigener Tasche

Für Freilandanlagen bis 10 Megawatt Leistung wie diese von Athos Solar zahlt
die iranische Energiebehörde umgerechnet 14 Euro-Cent pro Kilowattstunde.
Foto: Athos Solar
Als erster ausländischer PV-Entwickler hat Athos Solar aus Heidelberg diesen Schritt getan. Im Juli ging in der Provinz Hamadan rund 250 Kilomenter entfernt von Teheran bereits sein dritter Solarpark im Iran mit einer Kapazität von 8 Megawatt ans Netz. Bestückt mit asiatischen PV-Modulen sollen bis zum Jahresende zwei weitere Anlagen ähnlicher Größe hinzukommen.

Dann wird der Mittelständler rund 50 Millionen Euro im Iran investiert haben – wegen fehlender Finanzierungsbereitschaft deutscher Banken aus eigener Tasche: „Wir empfinden das Land als so stabil und sicher, dass wir mit Eigenkapital hineingegangen sind“, sagt Ralf Weidenhammer, der Geschäftsführende Gesellschafter von Athos Solar, im Gespräch mit bizz energy.

Mindestrendite von 15 Prozent über 20 Jahre

Nach seinen Berechnungen lassen sich im Iran Mindestrenditen von 15 Prozent über 20 Jahre erwirtschaften. „Wir sehen, dass es funktioniert, das Geld geht im Iran auf unserem Konto ein, und wir können es nach Deutschland transferieren“, sagt der Unternehmer. Der Iran biete bessere Wachstumschancen als viele europäische Länder – attraktivere als Deutschland allemal: „Der deutsche Markt hat nicht mehr viel Potenzial, in Afrika dauert die Umsetzung von PV-Projekten zu lange, und Märkte wie Indien oder Chile sind zu groß für uns“, sagt Weidenhammer. Sorge, dass er sich mit seinem Iran-Engagement Chancen auf Projekte in den USA verbauen könnte, hat er nicht.

Die iranische Behörde für erneuerbare Energien und Energieeffizienz, SATBA, garantiert für 20 Jahre feste Einspeisevergütungen. Für das Leistungsspektrum von 100 Kilowatt bis 10 Megawatt etwa, in dem SATBA viele Projekte ausschreibt, zahlt sie 14 Euro-Cent pro Kilowattstunde.

Deutsches EEG stand Pate

„Solarprojekte im Iran amortisieren sich je nach Finanzierungsart nach 4 bis 8 Jahren, während man in Deutschland dazu 8 bis 10 Jahre braucht“, sagt Assghar Mahmoudi, der als Berater an der Entwicklung des iranischen Pendants zum deutschen EEG mitgewirkt hat und in seinem Herkunftsland auch als Vertriebsagent und Trainer für den deutschen Wechselrichter-Hersteller SMA unterwegs ist.

[bild2]Das PV-Business im Iran, der wegen seiner wachsenden Industrie und seiner zunehmend konsumorientierten Bevölkerung von 80 Millionen Menschen steigenden Strombedarf hat, nimmt Fahrt auf: Ende Juli eröffnete der iranische Energieminister Hamit Chitchian in der südöstlichen Provinz Kerman den bisher größten Solarpark mit 20 Megawatt Kapazität. Hinter dem iranischen Betreiber Mokran stehen als Projektierer das deutsche Unternehmen Adore und als Investor Durion Energy aus der Schweiz.

Deutsche, Italiener, Schweizer...

In der Provinz Nord-Khorasan an der turkmenischen Grenze haben unterdessen die Arbeiten an einem 30-Megawatt-Park des schweizerischen Investors Ecofinance begonnen. Nach iranischen Medienberichten sind daran Unternehmen aus Deutschland, Italien und Spanien beteiligt. Auch von einem italienischen 100-Megawatt-Vorhaben ist die Rede. Außerdem sondieren österreichische, tschechische und ungarische Solarfirmen das Terrain. Branchenkenner Mahmoudi rechnet damit, dass sich bald chinesische Unternehmen einige der zahlreichen vom iranischen Staat ausgeschriebenen Lizenzen für Solarparks sichern.

Aber auch weitere deutsche Akteure dürften hinzukommen: Mehr als 20 Unternehmen nahmen im Juni in Berlin an einem PV-Seminar zum Iran im Rahmen der Exportinitiative Energie des Bundeswirtschaftsministeriums Teil, darunter branchenweit bekannte wie ABO Wind und PNE Wind.

Sparkassen wagen sich vor

Gern gesehen, weil selten, sind auf solchen Veranstaltungen stets Kundschafter aus der Finanzbranche. Diesmal hatte die Berliner Sparkasse einen Vertreter geschickt. Einige Sparkassen trauen sich, Projekte im Iran zu finanzieren. Sie fürchten Repressalien der USA nicht, weil sie in den Vereinigten Staaten keine Geschäftsinteressen haben.

Bisher reicht die Liquidität für Solarprojekte trotz staatlicher Unterstützung jedoch bei weitem nicht aus, um die Ausbauziele der iranischen Regierung zu erreichen. Mahmoudi hofft deshalb, dass die Finanzdienstleister mutiger werden und gibt sich optimistisch: „Wenn hier ein paar Finanzierungen erfolgreich laufen, werden die Banken ihre Scheu verlieren. Dann wird der Markt explodieren.“

Christian Schaudwet
Keywords:
Photovoltaik | Iran | Athos Solar | Sanktionen | Solarenergie
Ressorts:
Governance | Markets

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