Rosneft
28.09.2017

Gerhard Schröders künftiger Arbeitgeber in Erklärungsnot

Foto: Creative Commons/Olaf Kosinsky skillshare.eu
Der Kreml will Altkanzler Gerhard Schröder in den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft holen.

Der Altkanzler ist in den Aufsichtsrat des russischen Ölimperiums Rosneft gewählt worden. Ein Gerichtsprozess in Moskau zeigt, wie rabiat dessen Chef Igor Setschin Gegner aus dem Weg räumt.

Es waren unruhige Wochen für Igor Setschin, den Chef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft. Als am Freitag die Aktionäre zur Versammlung nach Sankt-Petersburg eintrudelten, dürfte Setschin erleichtert durchgeatmet haben. Über Wochen hatte die Nominierung von Gerhard Schröder für den Aufsichtsrat des Konzerns für Diskussionen gesorgt. Wenigstens dieses Thema ist nun vom Tisch, da der Ex-Kanzler – wie erwartet – die nötigen Stimmen der Aktionäre erhielt. (Lesen Sie auch: Altkanzler im Dienste Moskauer Rohstoff-Riesen)

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Nun kann sich der einflussreiche Top-Manager auf andere Baustellen konzentrieren, vor allem auf den Prozess gegen Ex-Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew. Der nämlich scheint sich zur schwierigsten Bewährungsprobe in Setschins Karriere zu entwickeln. Als Uljukajew im vergangenen Jahr überraschend festgenommen wurde, verbreitete sich wie ein Lauffeuer das Gerücht, der mächtige Ölmanager könnte der Drahtzieher sein. Uljukajew galt als Gegner seiner Pläne, den kleinen staatlichen Ölkonzern Bashneft dem Rosneft-Imperium einzuverleiben.

Auf den Trümmern des Yukos-Konzerns

Setschin ist bekannt dafür, die russische Justiz für seine Ziele einzuspannen. Rosneft, dessen Mehrheit der russische Staat hält, wurde auf den Trümmern des Yukos-Konzerns groß, der nach einem Prozess gegen den einstigen Eigentümer Michail Chodorkowski im Jahr 2004 zerschlagen und von Rosneft übernommen wurde. Auch Bashneft, das Rosneft im vergangenen Jahr für fünf Milliarden Dollar schluckte, wurde zunächst nach einem Prozess gegen den einstigen Aktionär Wladimir Jewtuschenkow enteignet.

Doch die Gerichtsverhandlung im Fall Uljukajew läuft ungewöhnlich holprig für Setschin. „Es scheint so, als sei er diesmal etwas zu weit gegangen und als habe er es nicht mit Putin abgesprochen“, sagt etwa Wladimir Milow, einst Vize-Energieminister während Putins erster Amtszeit und nun einer der größten Kritiker von dessen Energiepolitik. Noch nie hat ein Prozess solch pikante Details über Setschins Vorgehen ans Tageslicht gefördert. So wurde während der Anhörung bekannt, dass Setschin und der Chef des Rosneft-Sicherheitsdienstes persönlich in die Festnahme Uljukajews involviert waren.

Vielsagende Telefonprotokolle

Rosneft-Chef Igor Setschin war bis 2008 stellvertretender Leiter der russischen
Präsidialverwaltung unter Wladimir Putin. Foto: Präsidialverwaltung Russische Föderation
Setschin hatte Anzeige gegen den Minister erstattet. Angeblich hatte dieser zwei Millionen Dollar für seine Zustimmung zum Bashneft-Deal gefordert. Wie aus Telefonprotokollen deutlich wurde, hatte Setschin anschließend in Absprache mit den Behörden Uljukajew persönlich in die Rosneft-Zentrale gelockt, um diesem die angeblich geforderte Summe zu überreichen. Unter dem Vorwand, dass Uljukajew sich „das Unternehmen mal anschauen könne“.

Während des Treffens, dessen Mitschnitte ebenfalls vor Gericht verlesen wurden, kritisierte Uljukajew den Konzernchef unter anderem dafür, dass Rosnefts Börsenwert weit unter dem seiner ausländischen Wettbewerber liegt, die obendrein auch noch geringere Ölmengen fördern. Setschin seinerseits beklagte, dass Verhandlungen mit japanischen Investoren gescheitert seien, weil diese den Kauf von Rosneft-Anteilen vom der Rückgabe einer Russland nach dem Zweiten Weltkrieg zugesprochenen Inselgruppe, der Südkurilen, abhängig gemacht hätten.

„Vergiss meinen Wurstkorb nicht“

Über Geldforderungen Uljukajews fiel hingegen kein einziges Wort. „Vergiss meinen Wurstkorb nicht“, sagte Setschin zum Abschied und überreichte dem Noch-Minister zudem einen verschlossenen Koffer. Wenige Augenblicke später umzingelten Sicherheitsleute Uljukajews Auto.

„Das Ganze ist eine Provokation Setschins“, erklärte der Angeklagte vor Gericht nun ganz unverblümt. Er sei davon überzeugt gewesen, im Koffer befinde sich Wein, den Setschin gern zusammen mit Wurst aus eigener Produktion verschenkt. Tatsächlich scheint die Beweislage so dünn, dass Setschin nervös wird. „Dass die Mitschnitte öffentlich verlesen wurden, grenzt an Kretinismus“, klagte der Konzernlenker kürzlich vor Journalisten.

Setschin nun auf sich gestellt?

Immer mehr Branchenkenner sehen in dem Prozess nicht mehr die übliche öffentliche Hinrichtung eines unliebsamen Politikers mit erwartbarem Ergebnis. „Es sieht ganz so aus, als sei Setschin nun allein auf sich gestellt, ohne die sonst übliche Unterstützung des Kremls“, sagt etwa der Ökonom und ehemalige Regierungsberater Konstantin Gaase.

Für Gerhard Schröder dürfte der Uljukajew-Prozess von großem Interesse sein. Ein Skandal um seinen künftigen Arbeitgeber Igor Setschin ist wohl nicht gerade das, was sich der Altkanzler zu seinem Dienstantritt beim Rosneft gewünscht hat.

Maxim Kireev
Keywords:
Igor Setschin | Gerhard Schröder | Rosneft | Wladimir Putin | Bashneft | Yukos | Alexej Uljukajew
Ressorts:
Governance | Markets

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