Börse China
23.05.2017

Investment-Chancen auf der Neuen Seidenstraße

Foto: theglobalpanorama
Börsentreiber: Xi Jinping

Im Osten steigen die Kurse. China investiert gewaltig in Wind-, Sonnen- und Wasserkraft sowie Elektromobilität – das eröffnet viele Chancen für Investoren.

Als Chinas Präsident Xi Jinping Mitte Mai mit gewaltigem Pomp die Erneuerung der Seidenstraße ausrief, war die Energieinfrastruktur eines seiner zentralen Themen.

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China will in den kommenden Jahren 110 Milliarden Euro in den 63 Ländern entlang der neuen Handelskorridore ausgeben – und davon wiederum einen substanziellen Teil in Stromerzeugung und -übertragung stecken, etwa in Pipelines und Kraftwerke. Ganz im Sinne der chinesischen Energiewende werden die Erneuerbaren hier eine große Rolle spielen: In Süd- und Zentralasien scheint die Sonne, weht der Wind kräftig. Im Abschlussdokument bekräftigten die Regierungschefs sogar ihr Bekenntnis zum Klimaabkommen von Paris.

Milliarden sind im Spiel

Es handelt sich hier nicht nur um Gerede. Wenn China über Energie spricht, dann sind Milliardensummen im Spiel. Im laufenden Fünfjahresplan für Energieentwicklung von 2016 bis 2020 sind Ausgaben in Höhe von 360 Milliarden Euro für Wasser, Wind, Sonne und andere emissionsneutrale Stromquellen vorgesehen. Es fließt also viel Geld, und dazu noch für nachhaltige Projekte. Wenn nun auch die Länder Zentralasiens die Erneuerbaren ausbauen, werden wohl vor allem chinesische Anbieter zum Zuge kommen.

Investoren im In- und Ausland stehen bereit, um an dem sich abzeichnenden Boom teilzuhaben. Ausländische Anleger müssen bei China-Investments jedoch genau aufpassen. Eine gute Story macht noch keine steigenden Kurse, das mussten Investoren im Renewables-Bereich schließlich auch in Europa schmerzlich erfahren. China ist zudem ein Schwellenland mit heftigen Kursausschlägen und vielen schwarzen Schafen unter den börsennotierten Unternehmen. Teils tragen sie wohlklingende Namen und können auf allerlei positive Presseberichte verweisen – obwohl ihre Bilanzen gefälscht sind.

Dennoch gibt es eine Reihe von Werten, die durch ihren langfristigen Ansatz, clevere Technik und niedrige Bewertungen auffallen. Sie taugen damit zumindest als Beimischung für ein entsprechend ausgerichtetes Portfolio. Aus Sicht von Experten stechen vor allem die Aktien mittelgroßer, innovativer Privatunternehmen heraus. Hier sind es vor allem die Branchen Solar, Netzausbau und Elektromobilität, in denen kommende Innovationen neue Einstiegschancen schaffen.

Trend: Effizientere Wafer

Während praktisch alle Hersteller von Solarzellen derzeit unter Wasser stehen, sprechen technische Trends für die fortschrittlichen Hersteller der Wafer, also jener Grundplatten aus Silizium, aus denen die Zellen bestehen. Der chinesische Wafer-Marktführer Longi Green Energy revolutioniert derzeit mit effizienteren Herstellungsverfahren den Markt. „Longi gewinnt durch Kostensenkungen schnell Marktanteile“, sagt Analyst Frank He von Beijing Gao Hua Securities, einer Tochter von Goldman Sachs.

Das Unternehmen aus der alten Kaiserstadt Xi’an setzt vor allem auf monokristalline Wafer, die zwar grundsätzlich etwas teurer sind, aber eine höhere Ausbeute an Energie liefern. Aktienfachmann He sieht in den kommenden zwölf Monaten ein Aufwärtspotential von einem guten Drittel für den Wert. Die Aktie der Longyi Green Energy Technology Co. ist an der Börse Shanghai notiert (601012.SS).

Goldman Sachs erwartet, dass die Kosten für Solarzellen auch in den kommenden Jahren weiter sinken. Die Preise für die gleiche Leistung dürften um fünf bis sechs Prozent jährlich fallen, schätzt He. Da sämtliche Anbieter bereits mit hauchdünnen Margen arbeiten, ist das zunächst keine gute Nachricht: Die Gewinne der Unternehmen geraten weiter unter Druck. „Die Probleme mit Überkapazitäten plagen unvermindert die Branche“, sagt He.

Fallende Preise

Andererseits bedeuten die fallenden Preise, dass der Ausbau noch schneller vorangeht – vor allem im kapitalstarken China. He geht davon aus, dass Solarstrom hier ab 2025 genauso wenig kostet wie Kohlestrom, was eines der wenigen verbliebenen Argumente für fossile Brennstoffe entkräftet. Diejenigen Firmen, die die Kostensenkungen am schnellsten vorantreiben, können dabei ihren Markanteil ausbauen und noch Gewinn machen. „Wir sehen Longi am besten aufgestellt, um von diesem Trend zu profitieren“, sagt He.

Longi hat Anfang Mai bekanntgegeben, die Preise für monokristalline Siliziumwafer ab Juli um zehn Prozent zu senken. Der Zeitpunkt ist aus zwei Gründen kein Zufall. Einerseits endet Ende Juni die Frist für die Fertigstellung von Solarparks, die noch die höhere Förderung von 2016 genießen. China hat angesichts des Ausbaubooms den Garantiepreis für die Abnahme gesenkt. Daher lassen sich Photovoltaikanlagen bis Mitte des Jahres auch zu höheren Preisen bauen – danach müssen die Hersteller mit niedrigeren Preisen auf die neue Lage reagieren. Der zweite Grund sind Investitionen in neue Anlagen: Eine neue Produktionsstraße läuft bei Longi in diesen Tagen an.

Der Preisunterschied zwischen den weniger wirksamen mehrfachkristallinen und den moderneren monokristallinen Wafern von Longi sinkt damit um zehn Cent pro Watt auf etwa 15 Cent. Longi ist damit preislich schon da, wo andere Anbieter erst noch hinwollen – und das im Herzen des größten Solarmarkts der Welt.

Hoffnungsträger: Sungrow Power Supply

Zu den Smart-Energy-Hoffnungsträgern am chinesischen Aktienmarkt gehört die Firma Sungrow Power Supply, die Ausrüstung für moderne Stromnetze herstellt. Die Wechselrichter des Unternehmens sind auch in Deutschland bekannt. Sie sind das Hauptprodukt von Sungrow. Die Aktie des Unternehmens wird in Shenzhen gehandelt (300274.SZ).

Goldman-Analyst He attestiert dem Unternehmen angesichts der schnellen chinesischen Energiewende weiterhin gute Wachstumschancen, doch er hält das Kurspotenzial schon für weitgehend für ausgereizt. „Im Markt für Inverter herrscht enormer Wettbewerb“, sagt He. Er hat die Aktie kürzlich von „kaufen“ auf „halten“ zurückgestuft und die Gewinnschätzung gesenkt. Er empfiehlt aber, den Wert wegen der Qualität des Unternehmens weiter zu beobachten.

Mehr Kurspotenzial tut sich im Markt für Batterien für Elektroautos auf. Das Hauptproblem ist hier die Reichweite: Sie liegt immer noch weit unter der eines Benziners. Derzeit zeichnen sich hier jedoch große Fortschritte ab – und China ist ganz vorne mit dabei. Schon heute fahren auch deutsche E-Autos vor allem mit Akkus aus Ostasien. Die vielversprechendste Technik, um mehr Strom in diese hineinzupressen, sind Batterien mit drei elektrisch aktiven Komponenten, sogenannte ternäre Batterien. Der große Elektroautohersteller BYD ist hier ein Vorreiter, doch auch andere, weniger bekannte Unternehmen besitzen wertvolle Patente.

Gute Marktchancen zeichnen sich vor besonders für die Zulieferer der Batteriehersteller ab. Vor allem die Anbieter der Elektroden haben eine Schlüsselstellung für die Entwicklung neuer Hochleistungsbatterien. Das Unternehmen Easpring Material Technology aus Peking gehört hier zu den Vorreitern. Das Unternehmen schafft es trotz des hohen Kostendrucks bei Elektroautos, steigende Preise für die Ausgangsstoffe an die Kunden weiterzugeben – weil es eben eine stark nachgefragte Schlüsseltechnik anbietet. Auch das Papier von Easpring ist an der technikorientierten Börse Shenzhen notiert (300073.SZ).

Markt für E-Autos wächst rasant

Ternäre Batterien, die Nickel, Kobalt und Aluminium enthalten (NCA), sowie Typen aus Nickel, Kobalt und Mangan (NCM) tauchen auf aktuellen Listen besonders förderungswürdiger Technologien des chinesischen Industrieministeriums auf. Für zahlreiche Automodelle mit diesen Akkus sind ab dem zweiten Halbjahr 2017 neue Subventionen abrufbar. China hat jetzt schon den größten und am schnellsten wachsenden Markt für Elektroautos und wird diesen Vorsprung auch weiterhin halten. Der Markt für Batterieausgangsstoffe, Akkus und Elektroautos bleibe weiter interessant, sagt Analyst Joseph Wong von dem Wertpapierhaus Nomura. „Neue Regulierungen und der neue Subventionskatalog wirbeln die Branche derzeit auf.“ Doch gerade das eröffne neue Chancen.

Die Beispiele Sungrow, BYD, Easpring und Longi zeigen, dass sich auch für Investoren aus dem Ausland Möglichkeiten ergeben, von der chinesischen Energiewende zu profitieren. Für Privatanleger ergibt sich dabei jedoch ein Problem: Aktien, die in chinesischen Yuan gehandelt werden, lassen sich wegen der Kapitalverkehrsbeschränkungen des Landes nicht ohne Weiteres vom Ausland aus ordern. In marktüblichen Fonds und ETFs für Technikwerte aus China finden sich dagegen meist nur die großen Firmen wie Alibaba und Lenovo.

Seit Kurzem gibt es jedoch einen gangbaren Weg, um an Aktien aus dem großen Wachstumsland zu kommen. Im Rahmen einer Marktöffnung lassen sich Yuan-Papiere in Hongkong über die dortige Börse bestellen – außerhalb der Kapitalkontrollen. Voraussetzung ist ein Devisenkonto für Yuan, dass Anleger vor Ort in Hongkong eröffnen müssen. Wem das zu umständlich ist, der kann immer noch in internationale Branchenfonds für Erneuerbare Energie oder Elektromobilität investieren. Die Nachfrage aus China wird weiter hoch bleiben – und der Energie-Fokus bei der Seidenstraßeninitiative schafft immer wieder Kaufanreize.

Finn Mayer-Kuckuk, Peking
Keywords:
China | E-Mobilität | Elektroautos | Börse | private Investoren | Anleger | Batterietechnologie
Ressorts:
Finance | Technology | Markets

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