Elektromobilität
19.02.2018

Müllfahrzeuge fahren mit Wasserstoff

Foto: E-Trucks Europe
"Verder met Wasserstoff": Brennstoffzellen-Müllwagen in den Niederlanden

Die Brennstoffzelle treibt nicht nur Autos, Züge, Drohnen oder Schiffe an, sondern auch Müllfahrzeuge. Das zeigt ein Versuch in den Niederlanden und Südtirol.

Deutschland ist nicht beteiligt, dafür aber Südtirol, die Niederlande und Belgien: Zwei Jahre lang werden dort ab sofort insgesamt 15 Müllwagen mit Wasserstoff statt mit Diesel betankt, aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf. 15 Partner hat das europäische Projekt namens "Refuse Vehicle Innovation Validation" (Revive), an der Entwicklung der Lkw arbeiten der Fahrzeughersteller E-Trucks Europe sowie die Brennstoffzellen-Lieferanten Swiss Hydrogen und Symbio F-Cell.

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"Ein rein batteriebetriebener Müllwagen funktioniert nicht. Man benötigt viel Spitzenlast, so dass eine Batterie schnell leer wäre", sagte John van Roon von E-Trucks dem Fachmedium HZwei. Der Akku der Müllfahrzeuge reiche bei voller Ladung und sieben bis zwölf Kilogramm Wasserstoff für einen Einsatz von zwölf bis 16 Stunden. Die knallroten H2-Laster werden in den Städten Amsterdam, Breda, Groningen, Helmond, Rosendaal, Antwerpen (Belgien), Bozen und Meran (Italien) getestet. In den Niederlanden funktioniert das Betanken mittels mobiler Befüllstationen. 

Weniger Lärm und Abgase in der Innenstadt

Es ist der bisher größte Einsatz von Lkw mit Brennstoffzellen und Range Extender, also einem Reichweiten-Verlängerer. "Wir testen die Technik von morgen in einem europäischen Netzwerk und nehmen damit eine Vorreiterrolle ein", sagt Claudio Vitalini, Direktor der Stadtwerke Meran. Schließlich sei diese Technologie "eine der wenigen Alternativen zur Dekarbonisierung von schweren Nutzfahrzeugen". Der Präsident des Bozener Versorgers SEAB, Rupert Rosanelli, betont zudem, dass durch die Brennstoffzellen-Lkw Lärm und Abgase reduziert würden. "Schließlich werden die Fahrzeuge im Innenstadtbereich eingesetzt."

Immer mehr Städte in Europa setzen sich Null-Emissionsziele und schränken den Kauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ein. Insbesondere bei Bus-Flotten macht sich dies zunehmend bemerkbar. Mit "Revive" soll zum einen die Kommerzialisierung von umweltfreundlichen Müll-Lkw vorangetrieben, zum anderen die Technologie für alle Arten von Lastkraftwagen erforscht werden. 

Tankgröße ist noch problematisch

Das Bundesverkehrsministerium gab zu diesem Zweck bei einem Konsortium aus Fraunhofer ISI, Fraunhofer IML und PTV Transport Consult eine Studie in Auftrag. In dem im August 2017 vorgestellten Werk schätzen die Forscher, dass im Jahr 2030 bis zu 20 Prozent aller 3,5- bis 7,5- Tonner mit Wasserstoff betrieben werden könnten. Für höhere Gewichtsklassen bis zu zwölf Tonnen – und das Gros der Lkw ist eher schwerer – sehen sie hingegen nur zwei bis drei Prozent Marktpotenzial, bei mehr als zwölf Tonnen gar keines: Brennstoffzellen-Fahrzeuge wären dann teurer als solche mit Diesel-Antrieb, und die dann wachsende Tankgröße reduziere auf den Raum für die Beladung der Lkw.

Der Studie zufolge ist die Erforschung der Elektrifizierung des Antriebsstrangs von Lkw um zehn bis 15 Jahre hinter der von Autos hinterher. Experten wie Werner Tillmetz vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) sagen aber, dass sich Brennstoffzellen-Systeme aus Pkw mit relativ wenig Aufwand für Laster   adaptieren lassen. "Das ist kein Hexenwerk und auch nicht teuer", sagte Tillmetz im September 2017 zu bizz energy.

Zudem sind bereits H2-Lastwagen im Einsatz oder kommen demnächst auf den Markt: So will beispielsweise das US-Start-up Nikola Motors 2021 ein Brennstoffzellen-Fahrzeug herausbringen, den es gemeinsam mit Bosch entwickelt. Der japanische Autobauer Toyota testet in den Häfen von Los Angeles E-Trucks mit Wasserstoff-Antrieb. Und die VW-Tochter Scania und der norwegische Großhändler Asko haben ebenfalls ein Test-Projekt gestartet, bei dem die ersten Brennstoffzellen-Trucks Ende 2018 auf den Straßen sein sollen.

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Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | Müllfahrzeuge | Lkw | Brennstoffzelle | Wasserstoff
Ressorts:
Technology | Markets

Kommentare

Sehr geehrte Damen und Herren!

Da die Arktis schon über die Hälfte geschmolzen ist, ist Wasserstoff der Weg!

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