Saudi-Arabien
03.05.2016

Erneuerbaren-Ausbau: Saudis locken deutsche Investoren

foto: Wikipedia
Will Realpolitik anstatt Visionen: Kronprinz Mohammed bin Salman.

Das vergangene Woche vom saudischen Kronprinzen vorgelegte Modernisierungsprogramm bleibt beim Erneuerbaren-Ausbau zwar weit hinter früheren Zielen zurück. Deutschen Investoren öffnet es indes die Türen.

 

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„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, lautet ein viel zitierter Satz des im November 2015 verstorbenen Altkanzlers Helmut Schmidt (SPD). Im Falle Saudi-Arabiens allerdings könnte die Vision 2030 realistische Regierungsziele beinhalten, zumindest für erneuerbare Energien.

In seinem vergangene Woche vorgelegten Modernisierungsprogramm kündigt Königssohn Mohammed bin Salman an, bis 2030 knapp 9,5 Gigawatt (GW) Regenerative zubauen zu wollen. Im Vergleich zu den Plänen des 2015 verstorbenen Königs Abdullah ibn Abd al-Aziz Al Saʿ ist das zwar ein Witz. Dieser hatte 2013 in einem Whitepaper nämlich noch das Sechsfache, nämlich 54 Gigawatt bis 2032, versprochen. Unterm Strich könnte bei bin Salmans Vision aber wesentlich mehr herauskommen als bei den Plänen seines Vorgängers. Denn zu dessen Lebzeiten war von den 54 GW praktisch noch kein einziges installiert – oder auch nur zur Planung ausgeschrieben.

Das ändert sich jedoch seit der Machtübernahme von König Salman ibn Abd al-Aziz Anfang 2015. Seitdem wird aus dem Stillstand immerhin eine Energiewende im Schneckentempo. Schon einen Monat nach Amtsantritt habe die Regierung erste Grünstromprojekte konkret werden lassen, sagt Oliver Oehms, Delegierter der Deutschen Wirtschaft und als solcher bei der Außenhandelskammer (AHK) in Riad für Saudi-Arabien, Bahrain und Jemen zuständig. Damit entsteht ein neuer Markt – auch für deutsche Investoren. Das technische Knowhow der Firmen aus dem als "Land der Energiewende" titulierten Deutschland ist laut Oehms im Königreich gefragt. Saudi-Arabien erlaubt ausländischen Firmen, entweder als technische Berater bei Ökoprojekten einzusteigen oder JointVentures einzugehen.

 

Solar- und Windstromprojekte nehmen Gestalt an

Der staatliche Energiekonzern Saudi Electricity Company (SEC) hat Anfang 2015 beispielsweise den Startschuss für das Hybrid-Solar-Gas-Kraftwerk Green Duba im Nordwesten des Landes und für das Schwester-Kombikraftwerk Taiba in der Provinz Mediana gegeben. Die Anlagen kombinieren Erdgas und Sonne miteinander. Taiba soll insgesamt eine Leistung von 3.600 MW umfassen, 180 MW davon aus PV-Modulen. Auch deutsche Firmen haben sich laut AHK Saudi-Arabien um das drei Milliarden US-Dollar teure Projekt beworben.

Beim Ausbau der Windkapazitäten sucht Saudi-Arabien ebenfalls deutsche Unterstützung. SEC plant in einem ersten Schritt Windmühlen mit einer Leistung von bis zu 50 Megawatt. Für die Vorstufe der offiziellen Ausschreibung konnten sich nach Angaben der AHK Saudi-Arabien auch deutsche Unternehmen qualifizieren. Noch in diesem Jahr will SEC die offizielle Ausschreibung veröffentlichen.

Für deutsche Erneuerbaren-Projektierer sei der Vorstoß des arabischen Königssohns insgesamt also ein gutes Zeichen, fasst Oehms zusammen. Damit sei die Zeit des Stillstands endlich vorüber. Insgesamt sind die geplanten Projekte im Vergleich zu den in den Nachbarstaaten entstehenden Kapazitäten zwar noch ein Tropfen auf den heißen Stein. „Aber immerhin kommt der Ausbau jetzt ins Rollen.“

 

Umdenken auch von unten

Oehms glaubt sogar, dass die 9,4 GW bis 2030 noch übertroffen werden könnten. „Das zeigen Initiativen aus der Privatwirtschaft und aus der Zivilgesellschaft“, sagt er. Zum Beispiel wolle der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco Dieselgeneratoren durch Solarstrom ersetzen. Zusätzlich seien Off-Grid-Anlagen geplant, um Ölpumpen künftig mit Sonnenstrom versorgen zu können. Bei der Bevölkerung steige zudem der Bedarf an PV-Modulen um damit Wasserpumpen zu betreiben, beobachtet Oehms. Auch hier sei deutsche Technik gefragt.

Nicht zuletzt spielen der zaghaften saudi-arabischen Energiewende auch die drastisch gestiegenen Energiepreise in die Hände. Die Kosten für Strom und Kraftstoffe haben sich im vergangenen Jahr verdoppelt – trotz immer noch hoher staatlicher Zuschüsse. Darunter leidet der Staatshaushalt – und zwingt die Regierung Riad zur Suche nach Alternativen. „Die Erneuerbaren werden zunehmend konkurrenzfähig“, bilanziert Oehms. 

Jana Kugoth
Keywords:
Saudi Arabien | Energiewende | Investoren | Erdgas | PV | Windkraft | Solar
Ressorts:
Governance

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