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09.08.2017

Eons Gewinn strahlt noch lange nicht grün

Foto: eon.com
Buhlt um die Gunst der Aktionäre: Konzernchef Johannes Teyssen

Der Energiekonzern Eon will seine Anleger beglücken. Doch der Aktienkurs gibt trotz mehr Gewinn, weniger Schulden und angekündigter Dividendenerhöhung erstmal nach.

Die Eon-Anleger sind offenkundig immer noch nicht überzeugt. An einem schwachen Börsentag, an dem der Dax unter amerikanisch-nordkoreanischen Wortgefechten leidet und um rund ein Prozent nachgibt, rutscht die Aktie des Essener Energiekonzerns Eon gleich doppelt so stark ab.

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Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen wollte an diesem 9. August 2017 eigentlich seine leidgeprüften Aktionäre mit guten Nachrichten gewogen machen. Bereits am Vorabend ließ er mitteilen, dass der Konzern von 2018 an seine Ausschüttungsquote von 50 bis 60 auf 65 Prozent erhöhen werde. Dank der im Juni 2017 erstatteten Kernbrennstoffsteuer von rund 2,85 Milliarden Euro haben die Essener im ersten Halbjahr ihren operativen Cashflow massiv auf 4,9 Milliarden Euro verbessert.

Ohne diesen Sondereffekt liegt der Konzerngewinn jedoch mit 881 Millionen Euro nur im Rahmen der Erwartungen. Selbst der Abbau der Verschuldung von 26,3 auf 21.5 Milliarden Euro stützte an diesem Tag die Aktie nicht.

Großangelegtes Experiment

Der Konzern, der im Juni 2016 beschlossen hat, grün und sauber zu werden, indem er seine Atom- und Kohlekraftwerke mit der Tochter Uniper ausgründete, muss erst noch beweisen, dass er in der Lage ist, allein mit den Geschäftsfeldern Energienetze, Kundenlösungen und erneuerbare Energien nachhaltig Gewinn zu erwirtschaften. Noch hält Eon knapp 47 Prozent an Uniper, und noch stärken die Gewinnüberweisungen der Kraftwerkssparte die Bilanz der Mutter.

Auch wenn Teyssen anläßlich der Halbjahreszahlen bekräftigt, in nachhaltiges Wachstum zu investieren und „so unsere führende Position in der neuen Energiewelt ausbauen“, klingt dies für Investoren doch eher nach einem großangelegen Experiment. Im Geschäftsfeld erneuerbare Energien sank das bereinigte Vorsteuerergebnis im ersten Halbjahr gar um rund 50 Millionen Euro.

Diesen Betrag könnte man bei der Konzerngröße von Eon als „Peanuts“ bezeichnen. Doch wenn der gesamte Geschäftsbereich erneuerbare Energien im Gesamtjahr 2016 lediglich ein bereinigtes Vorsteuerergebnis von 430 Millionen einbrachte, dann ist ein Gewinnrückgang um 50 Millionen durchaus beträchtlich. Er macht zudem deutlich, dass die erneuerbaren Energien immer noch mehr der Imagepflege als der Zukunftsvorsorge des Konzerns dienen.

Thomas Bauer
Keywords:
Eon | Halbjahresbilanz | Johannes Teyssen | Aktienkurs | Uniper
Ressorts:
Finance

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