Energiewende global
03.08.2017

Deutsche Großbanken nur Statisten

Foto: iStock/AndresGarciaM
Frankfurter Finanzviertel: G20 wollen Bankenbeteiligung an Energiewende-Investitionen.

Die G20 machen sich unter der deutschen Präsidentschaft für grüne Strom-Investitionen auf der Welt stark. Doch auf Hilfe prominenter deutscher Geldhäuser können sie kaum zählen.

Deutsche Großbanken halten sich bei der Finanzierung erneuerbarer Energien international zurück. Dabei sollten sie den Umbau der Energieversorgung weltweit voranbringen, mahnen Nachhaltigkeitsexperten: „Deutschland ist ein Treiber der Energiewende – dass man bei deren internationaler Finanzierung insbesondere von den großen deutschen Banken so wenig sieht, ist erstaunlich“, sagt Dirk Messner, der Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE), im Gespräch mit bizz energy. „Ich würde mir sehr wünschen, dass sie sich stärker einbringen“, sagt Messner, der die 20 wichtigsten Industriestaaten als Co-Vorsitzender des Forschungsnetzwerks T20 berät.

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Messner sieht zwar positive Ausnahmen unter den großen Finanzdienstleistern, darunter vor allem den Versicherungsriesen Münchener Rück. Der sei in der internationalen Klimapolitik ein Vorreiter. Auch die Allianz-Gruppe sei ein relevanter Akteur.

 

Privates Geld für Klimaschutz

 

Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Dabei weiß die Branche, dass ihr Einsatz global erwünscht ist – mangelt es doch nicht an deutlichen Botschaften. Jüngstes Beispiel ist der „G20 Hamburg Climate and Energy Action Plan for Growth“, der mit der Abschlusserklärung des G20-Gipfels im Juli verabschiedet wurde: „Die Mobilisierung privater Mittel zur Klimafinanzierung“ werde entscheidend sein für die Anpassung der Energie-Infrastruktur und die Minderung von Treibhausgasemissionen, heißt es darin. Die G20, deren Präsidentschaft Deutschland bis zum 30. November innehat, versprechen in dem Papier stärkere Investitionsanreize für eine klimafreundlichere Energieversorgung. Und sie bekräftigen eine Zusage, die sie bereits 2009 gegeben haben: Über den Green Climate Fund der UN wollen sie ab 2020 ärmeren Ländern mit jährlich 100 Milliarden Dollar aus öffentlichen und privaten Quellen unter die Arme greifen.

 

Selbstverpflichtungserklärung von 122 Banken

 

Dass die G20 dabei auf starkes Engagement des deutschen Bankensektors jenseits der staatlichen Förderbank KfW zählen können, ist unwahrscheinlich. Ein Indiz: In prominenten Selbstverpflichtungen der internationalen Finanzbranche zum Klimaschutz tauchen deutsche Akteure nur am Rande auf. Mit der „G20-Banken-Stellungnahme zu Energieeffizienz“ etwa haben sich 122 Banken im Frühjahr dazu verpflichtet, mehr zur Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen beizutragen und auf eine Dokumentation solcher Projekte hinzuarbeiten. Das geschah im Rahmen der „G20 Energy Efficiency Finance Task Group“. Deutschland ist Mitglied – aber offenbar ohne prominente Beteiligung der deutschen Finanzwirtschaft. Warum die Deutsche Bank und die Commerzbank das G20-Banken-Statement nicht unterschrieben haben, wollen sie bei Anfrage von bizz energy nicht verraten.

 

Einzelne Landes- oder Förderbanken haben sich der Energieeffizienz-Erklärung zwar angeschlossen, darunter die NordLB, die NRW Bank und die Procredit-Gruppe. Doch von der Nummer eins und der Nummer zwei – der Deutschen Bank und der Commerzbank – oder auch von der größten deutschen Genossenschaftsbank, der DZ Bank, fehlt jede Spur. Aus anderen Ländern dagegen sind Finanzkonzerne der ersten Liga vertreten, darunter Société Générale und BNP Paribas (Frankreich) sowie ING und ABN Amro (Niederlande). (Lesen Sie auch: JP Morgan Chase – Milliarden für grüne Investments)

 

Vage Erklärungen

 

Kurz vor dem Hamburger Gipfel appellierten 390 Finanzinvestoren an die G20, Investitionen in eine CO2-arme Wirtschaft voranzutreiben. In den Fonds der 390 liegt ein Vermögen von sagenhaften 22 Billionen Dollar. Diesmal fallen drei große Namen aus Deutschland: Die Deutsche Bank mit ihrer Investmentgesellschaft Deutsche Asset Management, die Allianz mit Allianz Global Investors sowie die Münchener Rück sind dabei. Allerdings enthält der Aufruf keine konkreten Zusagen oder Absichtsäußerungen der Unternehmen, auch selbst mehr für Investments in klimafreundliche Energien zu tun.

 

Auf nationaler Ebene angesiedelt ist die „Sustainable Finance Initiative“, die im Mai ihre „Frankfurter Erklärung“ veröffentlichte. Unter den 14 privatwirtschaftlichen Finanzdienstleistern, die das Papier unterzeichnet haben, sind die Allianz, die Commerzbank, die Deka-Gruppe, die Deutsche Börse, die Triodos Bank und Union Investment. Doch auch diese Erklärung bleibt in Bezug auf das eigene Finanzierungsgeschäft vage. Einigermaßen verbindlich ist nur die Ankündigung, man werde Indikatoren entwickeln, die Nachhaltigkeitsbeiträge des Finanzsektors messbar machen sollen.

 

Deutsche Bank: Kein Kommentar

 

Dass sich grüne Investitionen weltweit lohnen können, zeigt die Triodos Bank aus den Niederlanden mit ihrer Tochter Triodos Investment Management, deren 17 Fonds zum Teil in Schwellenländern investieren. „Großbanken engagieren sich bereits in erneuerbare Energien, etwa im Offshore-Bereich im Inland und in Europa“, sagt Christina Schmidt, die bei Triodos Deutschland das Firmenkundengeschäft leitet. „Es wäre wünschenswert, wenn sie dies auch stärker global täten.“ Das gelte auch für die Bereiche Energieeffizienz und Speichertechnologien, die für den Finanzsektor noch weitgehend Neuland seien. Triodos selbst hat kürzlich erstmals Kapital für ein Energiespeicherprojekt bereitgestellt.

 

Während die global aufgestellte größte Bank der USA, JP Morgan Chase, sich jüngst dazu verpflichtet hat, bis 2025 Klima- und Umweltschutz-Investments im Volumen von 200 Milliarden Dollar zu finanzieren, hält sich der einzige deutsche Global Player, die Deutsche Bank, bedeckt. Bei Anfrage von bizz energy äußerte sie sich zum Thema Green Finance nicht. Entwicklungsexperte Messner führt die Zurückhaltung auf die mühsame Aufarbeitung von Skandalen und auf die teuren Rechtsstreitigkeiten der Bank zurück: „Die Deutsche Bank kämpft so sehr mit internen Problemen, dass ihr möglicherweise der freie Blick auf die Finanzierungsthemen der Zukunft fehlt“, sagt Messner. „Dabei müssten deutsche Banken gerade hier vorangehen. Das Business-Modell der Zukunft sind die Erneuerbaren.“

 

Grüne Projekte im Inland

 

Die Commerzbank indes hat immerhin die „Frankfurter Erklärung“ der „Sustainable Finance Initiative“ und einen energiepolitischen Appell von Konzernen und Nicht-Regierungsorganisationen zur Pariser Klimakonferenz 2015 unterschrieben. Nach eigenen Angaben will sie auch die Green-Finance-Ziele der G20 unterstützen.

 

Und obwohl die Commerzbank auf der internationalen Bühne bei Erneuerbaren bisher kaum eine Rolle spielt, ergreift sie doch hierzulande Chancen: Sie habe in Deutschland inzwischen ein Kreditportfolio von fünf Milliarden Euro für entsprechende Projekte ausgereicht, teilt das Unternehmen mit.

Christian Schaudwet
Keywords:
Green Finance | Deutsche Bank | Münchener Rück | Commerzbank | Allianz SE | G20 | Dirk Messner | Triodos Bank | Green Climate Fund
Ressorts:
Finance

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