Netzentgelte
13.06.2017

Ramelow kämpft für Pumpspeicher

Foto: Vattenfall
Goldisthal – das größte Pumpspeicherkraftwerk Deutschlands

Thüringens Ministerpräsident kritisiert das Bundeswirtschaftsministerium dafür, Pumpspeicher gegenüber neuen Technologien zu diskriminieren.

Bodo Ramelow (Linke) setzt sich für den Erhalt und die Arbeitsplätze der Pumpspeicherkraftwerke in Thüringen ein. Der Ministerpräsident wirft dem Bundeswirtschaftsministerium vor, diese traditionelle Form der Energiespeicherung gegenüber neuen Technologien zu diskriminieren. Er attackiert dabei insbesondere Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake (Die Grünen).

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Ramelow begründet seinen Vorwurf damit, dass Pumpspeicherkraftwerke Netzentgelte zahlen müssten, wenn sie mit überschüssigem Strom Wasser nach oben in den Wasserspeicher pumpen. „Warum eine Windkraftanlage keine Netzentgelte bezahlen muss, ein Pumpspeicherwerk aber wohl, das will ich einfach nicht begreifen, das will ich nicht akzeptieren“, polterte Ramelow im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) gegen das Bundeswirtschaftsministerium.

Der angegriffene Wirtschaftsstaatssekretär Baake hielt Ramelow im MDR entgegen, dass es eine Grundsatzentscheidung gebe, dass „Stromerzeuger keine Netzentgelte zahlen, wohl aber Stromverbraucher“. Auch dem Vorwurf der Diskriminierung trat Baake entgegen. Während üblicherweise Stromverbraucher Abgaben, Umlagen und Netzentgelte in Höhe von 14 Cent pro Kilowattstunde zahlen müssten, würden Pumpspeicherwerke lediglich mit einem Cent belastet.

Verändertes Geschäftsmodell

Thüringen zählt mit fünf Pumpspeicherkraftwerken und einer Gesamtleistung von 1.500 Megawatt gemeinsam mit Bayern und Baden-Württemberg zu den wichtigsten Standorten dieser in das frühe 20. Jahrhundert zurückreichenden Technologie. Das Geschäftsmodell von Pumpspeichern beruhte früher darauf, billigen Nachtstrom zu speichern und diesen in den verbrauchsintensiven Mittagszeiten teuer zu verkaufen. Da heute jedoch Windenergie- und vor allem Photovoltaikanlagen in der Regel mittags ihre Maximalleistung erreichen, gibt es diese Strompreisspitzen immer seltener.

Die Betreiber ziehen daraus nun die Konsequenzen: So hat der Vattenfall-Konzern angekündigt, die Belegschaft seiner deutschen Wasserkraftsparte zu reduzieren. Der Aufsichtsrat des Unternehmens mit Sitz im thüringischen Hohenwarte beschloss am 2. Juni, die Hälfte der 420 Jobs in seinen Pumpspeicherwerken bis Ende 2019 mindestens zu halbieren und die Leistung um ein Sechstel zu reduzieren. Der Geschäftsführer von Vattenfall Wasserkraft, Peter Apel, sagte, sinkende Strompreise und die Netzentgeltpflicht ließen dem Unternehmen keine andere Möglichkeit, um aus den roten Zahlen zu kommen.

Thomas Bauer
Keywords:
Pumpspeicher | Thüringen | Netzentgelte | Bodo Ramelow | Windenergie | Energiespeicher
Ressorts:
Governance

Kommentare

Wenn die Betreiber der Pumpspeicherkraftwerke den Strom nicht aus dem Netz, sondern unmittelbar aus eigenen Wind- und Solarstromanlagen beziehen würden, dann müsste das Netzentgelt doch entfallen. Ich habe jedenfalls noch nicht davon gehört, dass Betreiber von Solarstromspeichern Netzentgelt zahlen, obwohl die Batterie maximal 85% des darin gepeicherten Stroms wieder abgibt, also für 15% des Solarstroms einen Verbraucher darstellt.
Was die Stromverbrauchs- und Preisspitzen betrifft: ja, die Mittagsspitze ist verschwunden. Dafür gibt es aber gleich zwei ausgeprägte Spitzen morgens und abends, für die große Pumpspeicherkraftwerke eine umweltfreundlichere Alternative zu chemischen Speichern darstellen.

Ich verstehe das so: Die Wirtschaftlichkeit von Pumpspeicherwerken ist ein Tarifproblem u. a. der Netzentgelte. Der Behandlung als Verbraucher ist nicht sachgerecht. Zu Regelungszwecken und Netzstabilisierungszwecken sind gerade durch die kurzfristigen Spitzen bei erneuerbarer Energien schnelle reagierende und leistungsstarke Verbraucher gefragt oder man kann die Energie gar nicht ins Netz reinlassen. Anlagen wie die in Niederwartha bei Dresden wurden auch vor allem zu Regelzwecken gebaut, denn die Braunkohlekraftwerke der Region waren sehr reaktionsträge. Statt neues Geld für andere Steuerungsmöglichkeiten auszugeben, könnte man es auch durchaus in Form von speziellen Tarifen für Pumpspeicherwerke wirken lassen. Der Leistungsaufnahme könnte genausogut politisch als Dienstleistung zur Netzstabilität bewertet werden. Auf jeden Fall denke ich, Speicher brauchen wir. Und wir bekommen sie nur neu und/oder erhalten, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dazu angepasst werden.

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