Solarmarkt
05.10.2016

China kürzt Solarförderung noch deutlicher als erwartet

Foto: istockphotos.com/ gyn9038
Chinas Solarbranche stehen drastistische Kürzungen bevor.

Vom Erfolg der Subvention überwältigt: Die Netze können nicht mit dem Überangebot an Sonnenstrom mithalten.

Die chinesische Regierung bremst den Ausbau von Solarkraftwerken nach einem allzu heftigen Boom wieder. Peking will dazu die Förderung für neue Anlagen ab 2017 dramatisch kappen, wie aus einem Dokument der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission hervorgeht, das kürzlich in Chinas Sozialen Medien aufgetaucht ist.

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Die Branche hat den Schritt bereits erwartet, denn der Strommarkt des Landes leidet unter einem Überangebot an Strom aus erneuerbaren Energien. Die veralteten Netze können die Einspeisungen nicht handhaben und müssen die Kraftwerke abklemmen. Überraschend ist allerdings die Heftigkeit der Kürzung.

Dem Dokument zufolge soll die Einspeisevergütung aus Freiflächenanlagen um knapp ein Viertel fallen, und zwar von rund 0,88 Yuan auf 0,65 Yuan. Wie bisher variiert die genaue Förderung dabei nach Region: weniger Sonnenschein – weniger Geld. Noch ausgeprägter ist die Kürzung der Einspeisetarife von Dachanlagen. Sie halbiert sich von 0,42 Yuan auf 0,20 Yuan.

 

An der Börse purzelten die Kurse

Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission ist ein Superministerium, das die chinesische Wirtschaft steuert. Sie hat generell Vorrang vor den Fachministerien wie dem Umweltressort. Die Kommission hat im September bereits offiziell gewarnt, dass sich der Staat das bisherige Niveau der Förderung nicht leisten könne, zumal der schnelle Ausbau die Stromverschwendung ausweite. Der Aktienmarkt hat das durchgesickerte Dokument daher sehr ernst genommen. An der Börse Hongkong sind die Kurse von Photovoltaikfirmen in den Stunden nach seinem Auftauchen deutlich gefallen.

Die Stimmung in der Branche ist schon länger im Keller. Die Betreiber der Solarparks warten zum Teil monatelang auf die Subventionen aus Peking, was ihre Kalkulation durcheinanderbringt. Der Rückstand erreiche bald zehn Milliarden Euro, berichtet die Zeitung „Shanghai Securities Times“. Die Hersteller von Solarzellen leiden derweil unter barbarischer Konkurrenz infolge von Überkapazitäten. In den vergangenen Monaten sind die ohnehin niedrigen Preise nochmals um 28 Prozent gefallen. Die Anbieter fürchten den Moment, in dem die staatlichen Anreize zur Installation nachlassen – und der könnte jetzt kommen.

Aus der Branche ist zu hören, dass derzeit harte Verhandlungen zwischen der Entwicklungs- und Reformkommission, den Energieversorgern und den Herstellern von Solarausrüstung laufen. Das Ministerium hat die Branchenvertreter aufgefordert, Stellung zu den Plänen zur Subventionskürzung zu nehmen. Die Anbieter klagen nun offenbar darüber, dass sie bei so plötzlichen Kürzungen keine Planungssicherheit haben. Doch die Regierung sitzt am längeren Hebel: Rechtlich gesehen kann sie die Subventionen jederzeit per Verwaltungsanweisung anpassen.

 

Kürzungen drastischer als erwartet

Während eine Kürzung schon länger im Gespräch ist, erschreckt nun die Plötzlichkeit, mit der Peking die Förderung zusammenstreicht. Im Frühjahr war noch von einer Absenkung von lediglich zwei Prozent zum 1. Januar 2017 die Rede. Später waren Zahlen zwischen zehn und 20 Prozent im Gespräch.

Wenn das Dokument, das derzeit im Netz kursiert, der Beschlussfassung entspricht, dürfte der Solarausbau in China im kommenden Jahr stark abbremsen. Das könnte weltweit den Druck auf die Preise erhöhen. Zugleich könnte der Schritt aber auch eine überfällige Konsolidierung der chinesischen Anbieter einleiten. Bisher wehren sich die Provinzregierungen dagegen, ihren örtlichen Solarhersteller sterben zu lassen.

Finn Mayer-Kuckuk
Keywords:
China | Solar | Einspeisevergütung | Nationale Entwicklungs- und Reformkommission | Photovoltaik | Peking | Stromnetzausbau
Ressorts:
Governance

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