Mobilität
25.05.2016

China entfacht E-Auto-Boom mit Hilfe von Zulassungsregeln

Foto: Brücke Osteuropa
Der große Hersteller BYD erwartet für 2016 eine Verdreifachung des Absatzes.

Nach dreistellige Zuwachsraten sieht die Regierung in Peking ihren Plan erfüllt – und könnte jetzt bestimmte Subventionen streichen.

Die rein elektrischen Modelle kosten in diesem Autohaus der Marke BYD in Peking locker das Doppelte und Dreifache der Benziner. Dennoch sind der e5 und der e6 von Kunden umlagert, die probesitzen, sich die Ladebuchse erklären lassen oder schon in Vorfreude über den Lack streichen. „Das Interesse an reinen Elektroautos ist enorm“, sagt Fachverkäufer Huang Zongping. „Kein Wunder, schließlich können die Kunden damit sofort losfahren.“

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Neue Zulassungsregeln in Chinas Großstädten fördern derzeit den Absatz von Elektroautos kräftig: Um Stau und Smog zu bekämpfen, bekommt derzeit nur rund jeder hundertste Antragsteller ein Nummernschild. Vielerorts sind Neuanmeldungen zudem enorm teuer. Ausgenommen sind reine E-Autos. Seit vergangenem Oktober erhalten sie in Peking und anderen Städten sofort und kostenlos eine Zulassung – das schafft einen gewaltigen Anreiz für den Kauf eines batteriegetriebenen Pkw.

 

Neuanmeldungen von Stromern könnten sich verdoppeln

Der Effekt der Neuregelung war spektakulär. Im vergangenen Jahr hat die Branche 220.000 reine E-Autos abgesetzt, dreieinhalb Mal mehr als im Jahr davor. Der Anstieg kam vor allem im Herbst und Winter, nachdem beispielsweise die Stadt Peking die Zulassungspraxis geändert hat. In diesem April stieg die Verkaufszahl im Vorjahresvergleich erneut um 243 Prozent, wie Daten des chinesischen Automobilherstellerverbandes CAAM zeigen.

Die Regierung in Peking prognosiziert in diesem Jahr weiterhin starkes Wachstum. Er rechne mindestens mit einer Verdoppelung der Neuanmeldungen, sagte Miao Wei, Minister für Industrie und Informationstechnik, im März auf einer politischen Richtungskonferenz. Der derzeitige Bestand ist zwar noch ein gutes Stück von Pekings Ziel entfernt, doch der Trend weckt Hoffnung, es doch noch zu erreichen. Bis 2020 sollen dem Plan zufolge fünf Millionen Elektroautos auf Chinas Straßen fahren. Der große Hersteller BYD erwartet für 2016 eine Verdreifachung des Absatzes.

Die Hürden zum Einstieg in die Elektromobilität sinken derzeit an vielen Fronten. Der e6 von BYD beispielsweise kann nach Herstellerangaben mit einer Batterieladung 300 Kilometer weit fahren – das reicht für die meisten Anwendungen der Großstädter. „Auch ein Ausflug in die Berge ist damit drin“, meint Wang Xin, ein Angestellter Mitte 30, der im BYD-Autohaus einen Vertrag zum Kauf eines e6 abschließt. Wang hat ein Familienauto gesucht, in das der Kinderwagen gut hineinpasst. Er ist sich sicher, mit dem e6 den richtigen Wagen gefunden zu haben. Staatliche Subventionen in Höhe von 9000 Euro drücken den Kaufpreis auf knapp über 30.000 Euro. Dafür bekommt er ein solides Produkt.

Dank kräftiger Batterien kann der Fahrer auch mal Heizung oder Klimaanlage benutzen, ohne dass gleich der Saft wegbleibt. Das Wagen lässt sich mit der richtigen Ausrüstung notfalls innerhalb von zwei Stunden aufladen. Die Gemeinden haben in ganz China rund 50.000 öffentliche Stromsäulen zum Nachladen aufstellen lassen. Die Sorge vor der leeren Batterie lässt dadurch langsam nach.

 

Kleine Autos für wenig Geld

Es gibt zudem inzwischen auch deutlich günstigere Konkurrenzangebote von kleineren Herstellern wie Kangdi, Zotye oder Cherry. Die haben zwar keine Knautschzone und Airbags, und es klappert auch mal etwas, doch dafür ist der Kunde mit wenigen tausend Euro dabei, was gerade für die untere Mittelklasse den Ausschlag gibt. Psychologisch ebenso wichtig: Je mehr Leute ein Elektroauto haben, desto normaler erscheint zudem die Anschaffung. Seit diesem Jahr fällt die große Zahl von Stromern im Stadtbild von Peking auf.

Die Wirtschaftsplaner in Peking sehen sich bereits als Opfer ihre eigenen Erfolgs: Mit dem höheren Absatz steigt auch die ausgeschüttete Barförderung für den Kaufpreis. Gerüchten in der Pekinger Elektroauto-Szene zufolge will die chinesische Regierung ihre finanziellen Subventionen daher schon bald wieder etwas zurückfahren. Gerade Zuschüsse für betuchte Kunden oder für Firmen gelten vielen Verantwortlichen als übertrieben großzügig, wie vor Ort zu hören ist. So könnten Elektroautos in der Preisklasse ab 50.000 Euro künftig von der Förderung ausgenommen sein. Die hohen Subventionen für E-Busse will Peking dem Vernehmen nach dritteln oder halbieren.

Doch selbst das Abschmelzen der Subventionen an der Spitze wird dem Boom nur wenig nehmen – schließlich kommen die hohen Absatzzahlen vor allem aus dem mittleren und unteren Preissegment. Fazit: China wird seinem eigenen Anspruch als Vorreiter der Elektromobilität ganz offenbar gerecht.

Finn Mayer-Kuckuk
Keywords:
China | E-Mobilität | Zulassung | BYD | Kangdi | Zotye | Cherry | Batterie | Akku
Ressorts:
Governance | Markets

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