Green Finance
08.08.2017

Baden-Württemberg setzt auf nachhaltige Beamtenvorsorge

Quelle: istockphoto/gpointstudio

Die grün-schwarze Landesregierung will künftig die 3,8 Milliarden Euro schwere Versorgungsrücklage für ihre Beamten nachhaltig anlegen. Divestment-Befürworter bleiben skeptisch.

Tabu sind in Zukunft unter anderem Anlagen in Unternehmen, die geächtete Waffensysteme herstellen oder verkaufen. Gleiches gilt auch für Unternehmen, die gegen den UN Global Compact, gegen Menschenrechte oder gegen die Standards der Internationalen Arbeitsorganisation ILO verstoßen oder die nachweislich in Umwelt-, Bestechungs- oder Korruptionsskandale verwickelt sind. Diesen neuen Richtlinien für Investitionen in die Versorgungsrücklage des Landes Baden-Württemberg hat der Beirat beim Pensionsvermögen zugestimmt, teilten die finanzpolitischen Sprecher der Grünen- und der CDU-Landtagsfraktion in Stuttgart mit. „Nachhaltigkeit ist dabei zentrales Element“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Thekla Walker (Grüne) und Tobias Wald (CDU).

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„Ich freue mich, dass es uns darüber hinaus gelungen ist, auch eine konsequente Divestmentstrategie in den Anlagerichtlinien zu verankern“, sagt Walker. Der Ausstieg aus der Finanzierung von Kohle- und Erdölförderung und aus Geschäften mit Teersand und Fracking sei nicht nur ökologisch wichtig und helfe dem Klimaschutz, sondern längst auch ökonomisch klug und sinnvoll.

Nur vier bis fünf Prozent müssen umgeschichtet werden

Die Folgen des Beschlusses sind allerdings überschaubar. Wie Wald und das Finanzministerium auf Anfrage erläutern, müssen von den 3,8 Milliarden investierten Euro lediglich vier bis fünf Prozent entsprechend der neuen Kriterien umgeschichtet werden. Dies soll „zeitnah, marktschonend und renditeneutral“ geschehen, wobei Anleihen grundsätzlich bis zur Endfälligkeit gehalten würden. Zudem setzte sich die CDU dafür ein, dass sich die neuen Anlagerichtlinien nicht gegen die Gasförderung richten, da Gas als Brückentechnologie auf dem Weg zu mehr erneuerbaren Energien gebraucht werde.

Die deutsche Fossile-Free-Bewegung begrüßt die Umsetzung des Landtagsbeschlusses, kritisiert aber, dass die Anlage in Gasunternehmen weiter möglich ist. Es würden nur jene ausgeschlossen, die bei der Förderung Fracking-Verfahren einsetzen. Auch sei eine Anlage in Unternehmen möglich, die Kohle und Erdöl transportieren, verarbeiten und verbrennen, bemängelt Pauline Zimmermann von Fossil Free Stuttgart.

Thomas Bauer
Keywords:
Beamtenvorsorge | Baden-Württemberg | CDU | Grüne | Divestment | Nachhaltige Anlagen
Ressorts:
Finance | Governance

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