Klimawandel
25.10.2016

Arm durch zu viel Kohle

Foto: piyaset / iStock.com
Bereits bei einer Erderwärmung von zwei Grad drohen Millionen Menschen durch den Klimawandel zu verarmen.

Umweltorganisationen warnen davor, den billigen Brennstoff als Entwicklungs-Chance zu verkaufen. Sie sehen stattdessen dezentrale Erneuerbare als die wahren Hoffnungsträger im Kampf gegen Armut.

Selbst wenn Initiativen wie das Pariser Klima-Abkommen den Druck auf die Kohle-Industrie erhöhen: Sie bleibt beliebt. Von Befürwortern wird sie auch gern als Chance für die Entwicklungs- und Schwellenländer gepriesen, Armut zu bekämpfen und ökonomischen Fortschritt zu befeuern. Das wäre ein gefährlicher Trugschluss, sagen zwölf internationale Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, darunter Oxfam, Misereor und das britische Overseas Development Institute, in einem aktuellen Bericht. Sie fordern stattdessen, auf dezentrale Erneuerbare zu setzen.

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Mit weltweit mehr als 2.400 neuen Kohlekraftwerken in Planung ist von einem globalen Kohle-Ausstieg vorerst nichts zu sehen. Als bedeutende Beispiele für ihre Argumentation führen die Kohle-Kritiker China und Indien an. In ersterem sind über 600 Gigawatt (GW) Zubau an Kohlekraftwerken geplant. Doch entgegen der üblichen Einschätzung sei der enorme Rückgang extremer Armut in China kaum der Kohle-intensiven Industrialisierung seit den Neunzigern zu verdanken, schreiben die Autoren des Berichts. Stattdessen seien Verbesserungen in der Landwirtschaft hauptverantwortlich für die Erfolge gewesen, die 500 Millionen Menschen seit 1981 aus der existenziellen Armut holten. 

In Indien wird mit gut 300 GW geplanter neuer Kohlekraft gerechnet. Doch die Autoren sehen auch hier keine großen Verbesserungen für die Armen kommen. Diese seien nämlich zum Großteil auf dem Land zuhause und gar nicht an die Elektrizitätsnetze angeschlossen. Dieses Problem wird voraussichtlich mit den neuen Kraftwerken auch nicht gelöst, genau wie der bisherige Kohlezubau diesen abgehängten Bevölkerungsteilen nicht geholfen hat, heißt es in dem Bericht.

 

Grüner, Günstiger, Gerechter

Stattdessen bedroht die weltweite Zunahme an verfeuerter Kohle gerade diese armen und von Armut bedrohten Menschen weltweit, warnen die Umwelt- und Entwicklungsorganisationen. Die Weltbank habe berechnet, dass ein globaler Temperaturanstieg um zwei Grad weitere 100 Millionen Menschen in Armut stürzen würde. Denn die Auswirkungen des Klimwandels würden als Stürme, Überflutungen und Dürren deren Lebensgrundlagen zerstören. Schon ein Drittel der global geplanten Kohlekraftwerke würde dem Bericht zufolge allerdings das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klima-Abkommens unerreichbar machen. Was demzufolge noch mehr Klimakatastrophen und Armut bedeuten würde.

Als Lösung für das Dilemma bietet der Bericht den Ausbau der erneuerbaren Energien an. Die weltweite Tendenz zu immer niedrigeren Preisrekorden für Grünstrom-Erzeugung mache deutlich: Es wäre auch die günstigere Alternative. Außerdem könne man mit kleinen Anlagen eine dezentrale Versorgung garantieren und sich somit teils einen kostspieligen Netzausbau sparen – ein Problem, dass derzeit beispielsweise Deutschland und China zu schaffen macht. Damit werde man den Ansprüchen der ärmeren Landbevölkerungen gerechter und schütze sie nachhaltiger vor Verschlechterungen ihrer Situation.

Tim Lüdtke
Keywords:
Kohle | Dekarbonisierung | China | Indien | Oxfam | Misereor | Klimawandel | erneuerbare Energien | Energiewende | Entwicklungspolitik
Ressorts:
Governance

Kommentare

Dezentrale Erzeugung ist das ideale Werkzeug, um Armut zu unterstützen. Volatile (immer noch dimensionell teuerer als Kohle) Stromerzeugung mag zum Spaß taugen, für eine auf Wertschöpfung basierte Wohlstandsgesellschaft einfach nur ein Irrweg. Energie ist Wohlstand - teure und volatile Energie ein Luxusartikel....

Langsam müsste jeder einsehen, dass Kraftwerke mit Betriebskosten für Kohle, Öl, Gas, Uran etc. keine Chance haben gegen Kraftwerke ohne Betriebskosten wie Wind, Sonne, Wasser usw. Nötig ist deswegen ein HGÜ Verbundnetz und vor allem dezentrale Erzeugung und keine großen Einheiten.

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