Interview
19.06.2017

"Sie können das gerne Gesinnung nennen"

Foto: KfW IPEX
Thomas Brehler, Leiter des Bereichs Energie und Umwelt bei der KfW-Tochter IPEX

KfW-Topmanager Thomas Brehler über Kredite für Erneuerbare, die Konkurrenz zu privaten Geldhäusern und den Einfluss der Divestment-Bewegung.

BIZZ ENERGY: Herr Brehler, die Abkürzung IPEX steht für Internationale Projekt und Exportfinanzierung. Finanzieren Sie auch Projekte in Deutschland?

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Thomas Brehler: Ja, wir sind dafür da, deutsche und europäische Unternehmen bei Exportvorhaben und Investitionen im In- und Ausland zu begleiten. 2016 bezogen sich 23 Prozent der Kreditneuzusagen auf Deutschland, 38 Prozent auf das restliche Europa und 38 Prozent auf Länder außerhalb Europas. Der Anteil der Emerging Markets am Neugeschäft lag übrigens bei 28 Prozent.

Welchen Stellenwert hat die Finanzierung von Energie- und Umweltprojekten?
Einen hohen. Zum einen ist das Thema Klima- und Umweltschutz innerhalb der KfW Bankengruppe hoch angesiedelt. Zum anderen liegt in der Energiewirtschaft eine Kernkompetenz der europäischen und deutschen Industrie, die damit auch ein wesentlicher Export- und Investitionssektor ist und somit einer der wichtigsten von sieben Geschäftssparten der KfW IPEX-Bank.

An welcher Position steht der Geschäftsbereich Energie und Umwelt bei Ihnen?
Gemessen an den Kreditzusagen der KfW IPEX-Bank des vergangenen Geschäftsjahres auf Platz 1, gemessen am gesamten Kreditportfolio hinter der Schiffsfinanzierung auf Platz 2. Die Größe der einzelnen Geschäftssparten bestimmen aber unsere Kunden durch ihre Finanzierungsanfragen.

Wird die Energie- und Umweltfinanzierung künftig der dominierende Geschäftsbereich sein?
Das würde mich natürlich freuen, da ich diese Geschäftssparte verantworte! Aber Spaß beiseite: Für uns als Gesamtbank gesprochen, ist die Größe der einzelnen Geschäftssparten nicht von strategischer Bedeutung. Wir versuchen also nicht einzelne Geschäftssparten möglichst groß oder klein zu halten, sondern bestmöglich auf den Bedarf unserer Kunden zu reagieren. Aber mit jährlichen Kreditzusagen zwischen zwei und drei Milliarden Euro für Energie- und Umweltprojekte spielt dieser Bereich natürlich innerhalb der Bank wie auch des Gesamtmarktes eine prominente Rolle.

Laut Geschäftsbericht 2016 haben Sie 2,2 Milliarden Euro Neukredit für regenerative Energien bewilligt...
Vorsicht, das ist eine Mischzahl. Die 2,2 Milliarden Euro beziehen sich auf Projekte und Vorhaben der KfW IPEX-Bank mit deutlicher und messbar positiver Klima- und Umweltwirkung. Diese Kredite fließen zwar zum großen Teil in Wind- und Solarprojekte, aber auch in ÖPNV-Vorhaben und Industrieanlagen, die eine Energieersparnis von mindestens 30 Prozent erzielen und damit gleichfalls einen spürbaren Umwelt- und Klimaschutzbeitrag leisten.

Die genannten 2,2 Milliarden entsprechen 14 Prozent Ihres Kreditneugeschäfts. Warum nicht mehr? Die KfW IPEX-Bank ist doch eine Tochter der KfW, welche Klima- und Umweltschutz stets betont.
Diese Zahl schwankt jährlich und gibt vielleicht unsere Bedeutung nicht richtig wieder. Die IPEX ist eine Bank, die stets früh in neue Sektoren investiert und Expertise einbringt. Wir waren die ersten, die Offshore-Windparks finanziert haben. Es gibt bislang keinen projektfinanzierten Windpark vor der deutschen Küste, der nicht von uns mitfinanziert wurde. Ich denke, unsere Beteiligung in der Frühphase dieser aufstrebenden Industrie war essenziel für die Risikobeurteilung und damit die Realisierung dieser komplexen Vorhaben. Heute weiß man, dass sich Windparks auf See rechnen und wie man diese finanziert.

Ist es für die Finanzierung eines Windparks im Ausland wichtig, dass damit ein Exportgeschäft stattfindet, die Anlagen etwa von Siemens, Enercon oder Nordex kommen?
Für die IPEX ist entscheidend, dass es einen klaren Bezug zu Deutschland beziehungsweise Europa gibt. Das Geschäft muss also europäischen Export- oder Investitionsinteressen dienen. So finanzieren wir zum Beispiel mit einer französischen Geschäftsbank Windenergieanlagen von Siemens in Australien. Wir könnten uns aber nicht für einen australischen Investor engagieren, der einen Windpark mit rein chinesischer Technik plant. Unsere Aufgabe, Finanzierungen im Interesse der deutschen und europäischen Wirtschaft bereitzustellen, leitet sich aus dem gesetzlichen Auftrag der KfW ab. Darin unterscheiden wir uns von anderen kommerziellen Banken.

Sie haben 2016 über 480 Millionen Euro zum Konzernergebnis der KfW beigetragen. Gehört die Gewinnerzielung auch zu Ihrem Mandat?
Unser Ziel ist es, mit unseren Projekten finanziell erfolgreich zu sein. Da unterscheiden wir uns nicht von anderen Banken. Und ja, in unserer Verantwortung für das Geschäftsfeld Export- und Projektfinanzierung der KfW wollen wir auch unseren Teil zur Sicherstellung der langfristigen Förderfähigkeit der KfW beitragen

Gehen bei der KfW IPEX-Bank Gewinn- und Exportinteressen vor Klimaschutz? Immerhin finanzieren Sie auch Kohlekraftwerke.
In der Tat sind wir als Finanzierer in den wichtigen Schlüsselindustrien für unsere Kunden verfügbar – dazu zählt die Energiewirtschaft. Allerdings hat sich die KfW IPEX-Bank der Nachhaltigkeit im umfassenden Sinn verpflichtet. Daher bewerten wir ökologische Aspekte wie auch gesellschaftliche Wirkung der von uns unterstützten Vorhaben nach sehr strengen Kriterien. Falls ein Investor aus Kostengründen ein möglichst billiges, damit aber auch klimabelastendes Kraftwerk in Europa bestellen wollte, wären wir mit Sicherheit nicht die finanzierende Bank.

Das bedeutet faktisch?
Zwischen 2010 und 2016 hat die KfW mit 1,45 Milliarden Euro die Modernisierung und den Bau hocheffizienter Kohlekraftwerke finanziert. Die Bankengruppe investierte dabei in Energieeffizienz, in die Senkung des Kohleverbrauchs, die Nutzung von Abwärme sowie Luftreinhaltung. Wie erwähnt sind unsere technologischen Ansprüche allerdings sehr hoch. Daher sinkt seit Jahren der Anteil der Kohlekraftwerksfinanzierungen. Im Zeitraum 2010 bis 2016 lag dieser bei gerade noch 0,27 Prozent des Neugeschäfts. Dem steht ein Neuzusagevolumen für Umwelt- und Klimaschutz auf von rund 196 Milliarden Euro gegenüber, was 37 Prozent des gesamten Neuzusagevolumens der KfW im Beobachtungszeitraum entspricht.

Sieht sich die KfW IPEX-Bank als Teil der Divestment-Bewegung?
Nein. Wir sind als Exportfinanzierer nicht auf erneuerbare Energien beschränkt. Wir finden es gut, dass die erneuerbaren Energien auf dem Vormarsch sind, aber die Welt kann noch nicht allein durch Erneuerbare versorgt werden. So sind zum Beispiel Investitionen in effiziente Gas- und Dampfkraftwerke für die verlässliche Energieversorgung unverändert sinnvoll und werden auch von uns weiter finanziert.

Der Anteil der Finanzierung von Renewables  und Klimaschutz schwankt von Bank zu Bank erheblich. Ist dies eine Frage der Gesinnung?
Ich kann nur für uns sagen, dass wir bei allen Projekten – also über die reinen Energieprojekte hinaus – prüfen, ob Energieeffizienz, Umwelt- und Klimaschutz dem höchstem Stand entsprechen, egal ob es sich um die Finanzierung einer Warensortieranlage oder eines petrochemisches Werks handelt. Sie können das gerne Gesinnung nennen. Jedenfalls ist es Kern-DNA dieses Unternehmens. Beispielsweise gehen mit Vorhaben im Bereich der Rohstoffgewinnung in der Regel auch Eingriffe in die Natur einher. Als Finanzierer können wir aber darauf achten, dass die beste Technologie und höchste Sozial- und Umweltstandards angewendet werden. Wenn nicht, lehnt man das Projekt ab.

Tritt im Bereich Energiefinanzierung die KfW IPEX-Bank auch in Konkurrenz zu anderen Banken?
Wir sind eine kommerzielle Bank, die durchaus im Wettbewerb zu anderen Geschäftsbanken steht. Den überwiegenden Teil unseres Geschäfts machen aber Finanzierungen von Projekten aus, bei denen wir uns zusammen mit anderen Banken im Konsortium engagieren. Wir sehen uns daher eher in einem partnerschaftlichen Verhältnis.

Aber als KfW-Tochter haben Sie doch günstigere Refinanzierungskonditionen als private Wettbewerber?
Nein, als rechtlich selbstständige und eigenständig bilanzierende Bank hat die KfW IPEX Bank ein eigenes Rating, das schlechter als das der Muttergesellschaft KfW ist. Standard & Poor’s bewertet die KfW IPEX-Bank mit AA+, Moody’s mit A2. Dies ist die Basis für unsere Refinanzierungskonditionen. Demgegenüber verfügt die KfW über ein AAA-Rating, genießt eine hundertprozentige Garantie des Bundes. Diese Garantie gilt aber nicht für die IPEX.

Ist die Finanzierung Erneuerbarer und von Klimaschutzprojekten per se ein risikoarmes Bankgeschäft?
Nein, nicht grundsätzlich. Aber für unser 14 Milliarden Euro großes Energie-Kreditportfolio kann ich sagen – und dabei klopfe ich auf Holz –, dass es uns bislang sehr gut gelungen ist, die zu uns passenden Projekte auszuwählen und zu strukturieren, so dass wir auch wirtschaftlich sehr nachhaltig unterwegs sind.

 

Zur Person

Thomas Brehler arbeitet bis auf ein Intermezzo bei Airbus in Toulouse seit 20 Jahren für die KfW. Meistens fährt der 48-Jährige mit dem Rad in sein Büro am Frankfurter Plamengarten. Brehler hat in Nürnberg und Bristol BWL studiert und leitet seit 2014 den Bereich Energie und Umwelt der Konzerntochter KfW Ipex.

Steckbrief IPEX-Bank
Die IPEX war lange eine Unterabteilung der KfW, die in den ersten Nachkriegsjahrzehnten noch stolz ihren programmatischen Namen Kreditanstalt für Wiederaufbau trug. Der Geschäftsbereich Internationale Projekt und Exportfinanzierung (IPEX) sollte die im internationalen Wettbewerb stehende westdeutsche Exportindustrie mit günstigen Krediten fördern. Da nationalstaatliche Kreditsubventionen innerhalb der EU unzulässig sind, wurde die IPEX-Bank Anfang 2008 aus der weiterhin staatlichen Förderbank KfW ausgegliedert. Sie ist heute eine Exportkreditbank für die gesamte europäische Industrie.

 

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Interview: Thomas Bauer
Keywords:
Banken | Klimaschutz | Erneuerbare | DKB | KfW Ipex | grüne Investments
Ressorts:
Finance

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