BIZZ-Exklusiv
25.10.2013

„Offshore-Wind ist bisher eine Katastrophe“

Fotos: Capital Stage/depositfotos
Felix Goedhart

Felix Goedhart, Vorstandschef des Investors Capital Stage, über Solarparks ohne Förderung, schlechte Windjahre und Parks auf hoher See.

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BIZZ energy today:  Von der neuen Bundesregierung werden grundlegende Energiemarkt-Reformen erwartet. Wie reagieren Investoren darauf?
 
Felix Goedhart: Der Kapitalmarkt ist sicherlich abwartend, eine gewisse Verunsicherung ist zu spüren. Niemand rechnet jedoch damit, dass es etwa rückwirkende Förderkürzungen geben wird, wie es im Frühjahr diskutiert wurde. Das Thema ist endgültig vom Tisch. Wir investieren weiter. Unter den aktuellen Bedingungen ist es immer noch möglich, Projekte zu finden, die eine ordentliche Rendite von zehn bis zwölf Prozent abwerfen. 
 
Noch setzen Sie bei ihren Projekten auf eine Förderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).
 
Ja. Wir haben bei Solarparks aktuell Systemkosten von um die 1.000 Euro pro Kilowatt. Das ist sicher noch zu hoch, um etwa mit Alternativen wie Stromlieferverträgen gute Renditen zu erwirtschaften. Die Kosten müssen weiter sinken, auf 700 Euro pro Kilowatt. In diesen Dimensionen sind dann Solarparks auch ohne Förderung profitabel.
 
Welche Modelle stellen Sie sich vor?
 
Es geht um einfache Parks mit direktem Netzzugang, also ohne Umspannwerke oder Ähnliches. Nach Möglichkeit sollte der Strom in unmittelbarer Nähe verbraucht werden, das spart Netzentgelte. 
 
Als Betreiber sind Sie dann auf einen Abnehmer vor Ort angewiesen. Bedeutet das nicht zusätzliches Risiko?
 
Die Kreditinstitute schauen sich die Bonität des Partners, das Kontrahentenrisiko, genau an. Denn eine Finanzierung beruht ja auf der Garantie, dass dieser den Strom über die vereinbarte Laufzeit abnimmt. Solche Modelle sind eine neue Herausforderung. Es kann aber funktionieren, wenn die Systemkosten für Solarparks weiter sinken.
 
Viele Investoren suchen gezielt nach Projekten ohne Förderung, um sich von politischen Entscheidungen unabhängig zu machen. Sie auch?
 
Wir schauen uns um. Der Anteil der Parks ohne Förderung wird in Zukunft gewiss steigen. Noch haben wir in Deutschland aber ein verlässliches Umfeld und kaufen hier weiter zu, auch ältere Projekte. Unsere Solarparks lagen in der ersten Jahreshälfte weitestgehend im Plan, obwohl wir weniger Sonnenschein hatten.
 
Wind spielt in Ihrem Portfolio eine untergeordnete Rolle. Wieso?
 
Weil das Risiko-Rendite-Verhältnis nicht so attraktiv ist wie das von Solarparks. Wir haben in Deutschland das fünfte Mal in Folge ein schlechtes Windjahr. Viele Parks liegen bis zu 40 Prozent unter Plan. Für Investoren ist das nicht erfreulich. In vielen Fällen war es so, dass die Windgutachten zu optimistisch waren und die tollen Renditen nur auf dem Papier existierten. Es ist kein Zufall, dass im Augenblick viele Windparks auf den Markt kommen. Wir kaufen vor allem Projekte, die schon drei oder vier Jahre am Netz sind, bei denen sich also die Performance genau erkennen lässt.
 
Sind künftig Offshore-Windparks für Sie als Anlage interessant? 
 
Offshore-Wind ist bisher für alle Beteiligten eine Katastrophe. Bei Bard etwa hat die HVB öffentlichen Quellen zufolge sehr viel Geld versenkt und ist nun ungewollt Eigentümer. Auch Siemens und andere haben sich bei Offshore-Wind die Finger verbrannt. Für uns ist das kein Geschäftsfeld. Solche Verluste könnten wir nicht verkraften.
 
Was ist mit Energie-Infrastruktur wie Stromnetzen?
 
Das finden wir schon interessant. Auch Umspannwerke oder Energiespeicher sind ein Thema. Wir müssen aber nirgendwo die Ersten sein, sondern schauen uns den Markt in Ruhe an. Wir wollen gute Renditen bei überschaubaren Risiken.
 
 
Felix Goedhart ist seit 2006 Vorstandschef des Hamburger Erneuerbaren-Investors Capital Stage. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der größte unabhängige Betreiber von Solarparks in Deutschland und betreibt insgesamt Anlagen mit knapp 200 Megawatt Leistung.
 
Karsten Wiedemann
Keywords:
Solarenergie | Windenergie | BIZZ-Exklusiv
Ressorts:
Markets | Community

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